Die vergangenen Tage waren sehr aufregende Tage in Sachen Datenschutz und Soziale Medien. Seit den Enthüllungen von Christopher Wylie sind Cambridge Analytica und Facebook große Themen in den Medien. Weniger Aufmerksamkeit ist die Entscheidung eines russischen Gerichtes zugekommen, laut der Telegram den russischen Behörden die Schlüssel zur Entschlüsselung von Nachrichten übergeben muss.
Was sind nun die Bedenken bei der Nutzung von Sozialen Medien und Messengern? Was sind die zentralen Gefahren? Wie kann und soll ihnen begegnet werden? Wir geben Informationen darüber, was gerade in Sachen Datenschutz im Bezug auf Soziale Medien und Messenger vor sich geht, sowie nützliche Tipps und Ratschläge für die weitere Nutzung von Sozialen Medien, Apps und Messengern.
Zunächst ein kleiner Input zum aktuellen Fall um Facebook und Cambridge Analytica. Die Enthüllungen des Whistleblowers Cristopher Wylie machten darauf aufmerksam, dass Cambridge Analytica weiter illegal Daten aus Facebook besitzt und speichert. Wie Cambridge Analytica diese Daten erhalten hat erklärten sie selbst in einem aufregenden und teils überzogenen Werbe-Artikel selbst. Es war vorallem durch eine App in Facebook möglich, genauer eine Psychologie-App.
Apps finden sich nicht nur in den Sozialen Medien – auf Handy-Betriebssystemen spielen Apps eine noch größere Rolle. Leichtfertig installieren Nutzer*innen Apps auf ihre Handys – ohne die entsprechenden Berechtigungen der Apps zu reflektieren. Oft greifen Apps massenhaft Daten ab und geben sie weiter – genau wie im Fall von Cambridge Analytica und Facebook. Erst kürzlich kam heraus, dass beispielsweise die Facebook-App die Meta-Daten zu Telefonaten abgreift und weiter gibt. In einem anderen Beispiel hat eine Taschenlampfen-App Daten ausgespäht und weitergegeben, ohne das es die Nutzer*innen wussten.
Wichtig ist es daher, dass ihr eure Apps und dessen Berechtigungen kontrolliert. Apps, die eurer Meinung nach sich unangemessen viele Berechtigungen erlauben, solltet ihr deinstallieren. Außerdem sollte auch die Nutzung von Facebook kritisch reflektiert werden. Facebook hat das interesse, dass ihr möglichst viele Daten von euch preisgebt. Im Zweifel sollten private Daten privat bleiben – löscht also entsprechende Informationen oder gebt sie gar nicht erst an. Der ultimative Schritt ist es natürlich euer Facebook-Profil zu löschen.
Komplexer ist die Situation um die beliebten Messenger-Dienste WhatsApp und Telegram. Besonders die Nutzung der Telegram-App sollte kritischer reflektiert werden. Als Angebot als Russland kommen die russischen Behörden regelmäßig auf die (zum Teil unbekannten) Betreiber*innen von Telegram zu und verlangen die Herausgabe von Daten. Im Ukraine-Konflikt versuchte der FSB beispielsweise an die Kommunikationsdaten ukrainischer Aktivist*innen zu kommen. Erst kürzlich traff ein russisches Gericht eine noch radikalere Entscheidung: Telegram muss sämtliche Entschlüssungsschlüssel dem russischen Geheimdienst FSB übergeben. Hinzu kommt, dass die Verschlüsselung von Telegram so unsicher ist, dass selbst deutsche Behörden Telegram knacken.
Auf die Nutzung von Telegram als WhatsApp-Alternative sollte also verzichtet werden. Denn WhatsApp ist deutlich sicherer! Denn obwohl WhatsApp zu Facebook gehört, kann Facebook bei den Nachrichten dank der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht mitlesen. Facebook selbst interessiert sich dabei allein für die Handynummern und persönlichen Daten – die es jedoch laut Gericht nicht mit den Daten des sozialen Netzes verknüpfen darf.
Wer auf Nummer Sicher gehen will kann den kostenlosen Dienst Signal oder den kostenpflichten Dienst Threema nutzen. Beide Dienste sind unabhängig und bieten sichere Verschlüsselung. Im Übrigen nutzt WhatsApp sogar das Verschlüsselungsprotokoll von Signal, weshalb WhatsApp und Signal gleich sicher sind. Seit der Snowden-Empfehlung für Signal liegt das Augenmerk der Geheimdienste jedoch auf Signal, weshalb sicher einige Geheimdienste schon Versuche unternommen haben Signal zu knacken.
Viele besitzen jedoch Signal nicht. Daher kann auch auf WhatsApp zurück gegriffen werden. Zwar müssen hierfür persönliche Daten und die Handynummer mit WhatsApp geteilt werden – sind die Daten jedoch einmal mitgeteilt lässt sich dieser Schritt nur schwer rückgängig machen. Außerdem dürfen nach aktueller Rechtssprechung die Daten von WhatsApp anderweitig nicht genutzt werden. WhatsApp kann daher als ein sicherer Messenger betrachtet werden.
Nichtsdestotrotz versuchen auch deutsche Behörden mit Hilfe von Trojanern in unsere Kommunikation einzubrechen und die Verschlüsselung zu umgehen. Dabei umgehen sie die Verschlüsselung, in dem Screenshots vom Chatfenster geschossen werden. Deshalb kommen wir an dieser Stelle auch an einer wichtigen, politischen Botschaft nicht herum: Der Staatstrojaner gehört abgeschafft!
Im Rahmen der eigenen Arbeit ist Verschlüsselung wichtig. Nicht nur weil Staaten unsere Kommunikation überwachen wollen – Hacker versuchen ebenso Daten über uns zu gewinnen. Aus diesem Grund sollten alle politisch engagierten Menschen auf ihre eigene Sicherheit achten – und verschlüsseln!
Bei weiteren Fragen steht euch der Landesvorstand selbstverständlich zur Verfügung!