Die Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn hatte politische Jugendverbände zu einem „Kandidaten-Duell“ am 16. Mai in die Universität Bonn eingeladen. Darunter auch die Junge Alternative. Die GRÜNE JUGEND NRW und andere Jugendverbände haben sich daraufhin dazu entschlossen, nicht an dem Duell teilzunehmen. Der Termin wurde gestern offiziell abgesagt. Da der öffentliche Wortlaut der E-Mail-Absage für Irritationen sorgte, und wir gestern und heute bereits mehrfach darauf angesprochen wurden, möchten wir unsere Entscheidung näher erläutern:

Wie in jedem Wahlkampf, so auch im Europawahlkampf, gibt es eine Vielzahl von Einladungen zu Podiumsdiskussionen, um über die Zukunft Europas zu streiten. Das ist gut so und wir sind den zahlreichen Institutionen, Organisationen und anderen Veranstalter*innen sehr dankbar für ihr Engagement und Eintreten in den demokratischen Wettbewerb. So sind wir auch der Uni Bonn und der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn zum Dank verpflichtet, für die Organisation eines spannenden und innovativen Debattenabends am 16. Mai und für die Einladung unserer Sprecherin Lena Zingsheim:

„Erst nach meiner Zusage ist mir aufgefallen, dass die Veranstalter*innen auch einen Vertreter der Jungen Alternative auf dem Podium haben. Das mir dies erst nach meiner Zusage ins Auge gesprungen ist, bedauere ich sehr. Ein größerer Fehler wäre es jetzt aber, daraus keine Konsequenzen zu ziehen. In einem gemeinsamen Schritt haben daher der Vertreter der Linksjugend, die Vertreterin der Jusos und ich unsere Beteiligung abgesagt.“

Mag die AfD auch mittlerweile in allen Parlamenten vertreten sein. Mag auch jede zweite Talkshow mittlerweile mit einem AfD-Parteimitglied besetzt sein. Es ist für Lena Zingsheim und die GRÜNE JUGEND NRW kein Stück weit Normalität geworden, dass eine offen rechtsradikale Partei eine solche Aufmerksamkeit bekommt. Im Gegenteil: Das ständige Hofieren dieser Partei unter dem Deckmantel der Demokratie trägt Tag für Tag dazu bei, diese Partei zu einer legitimen politischen Vertretung im demokratischen Spektrum zu machen. Das ist sie aber mitnichten. Zahlreiche offene Äußerungen, wie auch hinter vorgehaltener Hand, zeigen deutlich, dass in dieser menschenverachtende und faschistische Elemente tragende Säulen sind.

Unsere Position ist daher eindeutig: Wir tragen mit unserem Verhalten nicht dazu bei, der AfD und ihrer Jugend ein Podium zu bieten, um ihre Botschaften in die Welt zu tragen.

Es gibt für Veranstalter*innen keinen Zwang die AfD auf Podien einzuladen. Wir streiten für eine solidarische und gerechte Zukunft in Europa und weltweit. Mit menschenverachtenden und hetzenden Parteien setzen wir uns aber auf kein Podium. Diesen Parteien stellen wir uns in den Weg.

Hier der Wortlaut der E-Mail vom 9. Mai, vom Team der Regionalvertretung der EU-Kommission in Bonn:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

Leider müssen wir das Kandidaten-Duell an der Uni Bonn am 16. Mai kurzfristig absagen.

Jusos, Grüne Jugend und Linksjugend haben uns mitgeteilt, dass sie sich der Debatte mit der Jungen Alternative nicht stellen wollen.

In unserer Einladung an die Podiumsteilnehmer haben wir deutlich kommuniziert, dass alle sechs im Bundestag vertretenen Parteien zum Duell eingeladen werden – auch die Junge Alternative. Dies habe man bei Zusage zur Teilnahme überlesen, so eine Teilnehmerin. Andere lieferten uns keine oder nur unzureichende Begründungen für ihre Absage.

Wir bedauern diese Haltung sehr. Demokratie beruht auf Diskurs. Wir sind der Meinung, dass man unterschiedliche Ansichten in einer demokratischen Auseinandersetzung aushalten muss. Wer gute Argumente vorbringt, gewinnt die Debatte. Wer gar nicht erst hingeht, stellt sich der Debatte nicht.

Für alle, die weiterhin unsicher sind, wen sie am 26. Mai bei der Europawahl wählen sollen: Der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung gibt online einen guten Einblick in die Wahlprogramme der insgesamt 41 zur Wahl antretenden Parteien: https://www.wahl-o-mat.de/europawahl2019/.

Ihr Team der Regionalvertretung der EU-Kommission in Bonn“