Jung – grün – vernetzt

Wir stellen uns den Herausforderungen der digitalen Gesellschaft!

Keine technische Innovation der letzten Jahre hat unser Lebensumfeld so radikal verändert wie das Internet. Noch nie waren Kommunikation, der Austausch von Daten oder die Veröffentlichung von Meinungen und Informationen so einfach wie heute.
Das Internet stellt einen neuen, virtuellen Raum für viele Millionen Menschen dar, der enorme Chancen zur Vernetzung und schnellen Kommunikation bietet, jedoch auch Herausforderungen an unsere Gesellschaft stellt und Gefahren birgt.
Die Verbreitung und der Tausch von Texten, Musik, Bildern und Filmen stellen uns vor die Frage der zukünftigen Gestaltung des UrheberInnenrechts. Außerdem müssen wir, bei aller Transparenz der BenutzerInnen im Web 2.0, die Privatsphäre und die Daten aller InternetnutzerInnen schützen.
Die Netzpolitik der GRÜNEN JUGEND NRW stellt die Chancen in den Vordergrund und versucht Lösungen für Probleme zu finden anstatt nur einseitig die Gefahren zu betonen. Wir stehen für die freie Entfaltung des Individuums und für Datenschutz, wir kämpfen gegen Gängelung durch den Staat
und gegen Sperrung und Zensur. Daher wollen wir eine breite gesellschaftliche Diskussion über Wahrung und Stärkung der Grundrechte im digitalen Raum führen.
Netzpolitik wird zu einem der zentralen Politikfelder des 21. Jahrhunderts. Allerdings gibt es bei den politischen AkteurInnen aller Parteien, auch bei den Grünen, noch großen Nachholbedarf. Wir wollen in Politik und Gesellschaft die wichtigen netzpolitischen Fragen unserer Zeit thematisieren.
Internet für alle Derzeit haben 81 Prozent aller in Deutschland lebenden Menschen einen Zugang zum Internet. Da dieser Zugang zunehmend zur Teilhabevoraussetzung in unserer Gesellschaft wird, müssen wir dafür sorgen, dass alle die Möglichkeit bekommen, dieses Medium zu nutzen. Ein Breitband-Internetanschluss ist für uns deshalb ein wichtiger Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.
Wir fordern den Ausbau von Breitbandnetzen, insbesondere von mobilen Netzen. Dieser Ausbau sollte gerade in ländlichen Regionen stattfinden. Wir brauchen eine offene und zukunftsfähige Netzinfrastruktur, ohne Monopole und mit Entwicklungsmöglichkeiten bezüglich der Bandbreite.
Daher muss jetzt in Technik und Kapazitäten für die nächsten Jahrzehnte investiert werden. Es ist Aufgabe des Gesetzgebers und der Regulierungsstellen, dafür zu sorgen, dass Netzbetreiber nicht nur rentable Gebiete mit Anschlüssen versorgen, sondern flächendeckende Angebote schaffen, indem z.B. durch geschickte öffentliche Ausschreibungen Anreize für Unternehmen geschaffen werden, in diese Gebiete zu investieren.
An öffentlichen Plätzen, in Ballungszentren und im öffentlichen Personennahverkehr setzen wir uns für frei zugängliche W-LAN-Netze ein, wie es einzelne Initiativen in verschiedenen Großstädten heute schon umzusetzen versuchen. Dies erscheint uns vertretbar, da zahlreiche Studien mittlerweile
belegen, dass Public W-LANs die einschlägigen Grenzwerte für die Strahlung weit unterschreiten.
Ebenso kann eine Drosselung der Sendeleistung von Hotspots zu einer Minderung der Strahlenbelastung beitragen. Es müssen regelmäßige Überprüfungen stattfinden. Zudem muss auch sozial Benachteiligten die Möglichkeit gegeben werden, am Internet teilzuhaben. Daher fordern wir
kostenlose stationäre Internetzugänge in öffentlichen Einrichtungen.
Damit niemand im Internet benachteiligt wird, muss Netzneutralität gesetzlich verankert werden. Alle Daten, die im Internet unterwegs sind, müssen gleichberechtigt transportiert werden. Wir lassen uns nicht von Unternehmen diktieren, was wir im Netz nutzen dürfen und was nicht. Das Internet ist ein Medium der Bürgerinnen und Bürger und nicht Spielball und Kontrollstelle für Wirtschaft und Staat.
Barrierefreiheit muss auch im Internet zur Selbstverständlichkeit werden! Die gleichberechtigte Teilhabe am Internet ist ein Grundrecht aller Menschen. Deshalb ist die barrierefreie Gestaltung aller Internetseiten von gesellschaftlicher Bedeutung. Barrierefreiheit ist selbstverständliches
Qualitätsmerkmal aller Internetseiten. Die Webcontent Accessibility Guidlines 2.0 (WCAG) sind die international anerkannten Regeln zur barrierefreien Gestaltung. Deshalb fordern wir die konsequente Anwendung der WCAG 2.0 sowohl im Bereich der kommerziellen als auch öffentlichen
Internetseiten. Auch im privaten Umfeld sollte mit geeigneten Werkzeugen darauf hingearbeitet werden, dass Internetseiten grundsätzlich barrierefrei sind. Barrierefreiheit bedeutet insbesondere, dass Menschen mit sogenannten Hilfsmitteln (wie zum Beispiel Schriftvergrößerung, Sprachausgabe und
speziellen Tastaturen) die Internetseiten bedienen können. Die Bedienbarkeit ohne Maus ist sicher zu stellen. Außerdem fordern wir die Ausgaben in die Forschung solcher barrierefreien Technologien und Methoden zu erhöhen, um deren Umsetzung zu fördern.
Zur Barrierefreiheit gehört für uns aber auch, dass niemand aufgrund seiner finanziellen Möglichkeiten ausgeschlossen werden darf. Wir fordern daher, dass alle Daten, die für die Öffentlichkeit zugänglich sein müssen, auch in offenen Formaten bereit gestellt werden und öffentliche Stellen Daten in solchen Formaten akzeptieren.
Wir wollen das Netz für alle Generationen öffnen. Noch sind nur etwa ein Drittel der älteren Menschen mit einem Internetanschluss versorgt. Wir fordern ein Landesprogramm zur Verankerung von Angeboten zur Steigerung der Netzkompetenz von Seniorinnen und Senioren.

Online-BürgerInnenbeteiligung vorantreiben

Das Internet bietet viele Möglichkeiten zur Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in politische Entscheidungen. So gibt es bereits heute in vielen Städten und Gemeinden Internetportale, auf denen alle Vorlagen und Protokolle runtergeladen werden können, Online-BürgerInnenbefragungen
durchgeführt oder Rats- und Kreistagssitzungen zu Hause mitverfolgt werden können. Wir setzen uns dafür ein, dass Bürgerinnen und Bürger auf allen politischen Ebenen Entscheidungen nachverfolgen können und durch Instrumente wie z.B. BürgerInnenhaushalte und Online-Petitionen direkt in
politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Deshalb wollen wir Online-Beteiligungsmöglichkeiten gesetzlich festschreiben und diese breiter publik machen. Wir fordern ein Landesprogramm, dass die Kommunen beim Massiven Ausbau des E-Governments unterstützt.
Alle Behördlichen Formulare sollten digital zur Verfügung stehen, so dass diese auch digital ausgefüllt und übermittelt werden können, um unnötige Papierverschwendung und Fahrwege zu vermeiden und die Arbeit für BürgerInnen zu erleichtern. Zusätzlich soll die öffentliche Verwaltung innerhalb der nächsten fünf Jahre weitestgehend auf Open-Source-Software umgestellt werden. Für die Sicherheit der übertragenden sensiblen Personendaten muss von Behördlicher Seite aus alles Mögliche getan werden. Dabei darf der Schutz vor Manipulation nicht vernachlässigt werden. Daher lehnen wir z.B.
die Durchführung von Onlinewahlen lehnen ab.
Die öffentliche Hand muss auch bei der Beschaffung von IT-Infrastruktur mit positivem Beispiel vorangehen. Landesbehörden und Kommunen müssen rechtlich verpflichtet werden, Green IT zu beschaffen. Die Nachhaltigkeit der verwendeten Rohstoffe ist nachzuhalten.

Datenschutz ist BürgerInnenrecht

Unsere Daten, seien es Bankdaten oder Freundeslisten in sozialen Netzwerken, sind untrennbarer Bestandteil unserer Privatsphäre. So, wie eine Überwachungskamera unser Verhalten aufzeichnen kann, vermag dies auch unser digitaler Fußabdruck.
Ohne Privatsphäre ist die freie Meinungsbildung unmöglich und der Gesellschaft fehlt jeglicher Freiraum zur individuellen Entfaltung. Um die Privatsphäre zu schützen, wurden unsere Grundrechte, wie zum Beispiel das Briefgeheimnis oder die Unversehrtheit des privaten Wohnraumes definiert. Um
die Einhaltung des Datenschutzes in der öffentlichen Verwaltung und in der Privatwirtschaft sicherzustellen, ist der Etat für die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder angemessen zu erhöhen.
Die GRUENE JUGEND NRW fordert, die essentiellen Gesetze zum Schutze der Privatsphäre an die heutige Realität anzupassen. Das bedeutet konkret die Schaffung eines Kommunikationsgeheimnisses als Weiterentwicklung des Briefgeheimnisses, ebenso wie die Achtung und der Schutz der Daten auf unseren Festplatten. Auch Vorratsdatenspeicherung1, ELENA2 und die Onlinedurchsuchung sind gravierende Einschnitte in unsere Privatsphäre. Diese Gesetze sind Rückschritte auf dem Weg zu einem verantwortungsvollen Umgang mit unseren Daten und missachten das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Die GRÜNE JUGEND NRW lehnt es entschieden ab, wenn sich staatliche Institutionen unbemerkt Zugriff auf unsere Daten verschaffen, es sei denn es besteht der
dringende Verdacht, dass die Daten dabei helfen können, Leib und Leben anderer Menschen zu retten.
Die Betroffenen müssen in jedem Fall über diesen Eingriff in ihrer Privatsphäre informiert werden und anschließend eine Dokumentation erhalten, welche ihrer Daten gesichtet wurden.

Deine Daten gehören dir!

Im Informationszeitalter sind unsere Daten zu einer handelbaren Ware geworden. Sie werden gesammelt, getauscht, verkauft und freigegeben. Mit unseren Bankdaten, persönlichen Vorlieben, unserem Konsumverhalten, FreundInnenlisten in sozialen Netzwerken oder unserer sexuellen Orientierung können nicht nur Behörden und Verbände viel anfangen, auch Unternehmen haben schon lange den Wert von Datensammlungen erkannt und unterschiedlichste Methoden entwickelt, an diese zu gelangen.
So werden beispielsweise KundInnenenkarten benutzt, um ausführliche Konsumprofile und damit gläserne KundInnen zu schaffen. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert daher, dass bei jedem Vorgang, bei dem KundInnendaten gespeichert werden, die ausdrückliche Genehmigung der Betroffenen eingeholt werden muss. Allgemeine oder einmalige Verweise auf Datenschutzerklärungen, die sich in langen Geschäftsbedingungen verstecken, reichen dazu nicht aus! Wir fordern eine klare, einfache und deutliche Deklaration von Datensammlungen, in der außerdem die Verwendung der Daten beschrieben wird! Schulen und Bildungseinrichtungen sind hier in besonderer Weise gefordert, Netzkompetenz zu stärken.

Des Weiteren fordern wir, dass jede Stelle, die Daten speichert, dazu verpflichtet wird, den DateneigentümerInnen regelmäßig Bericht zu erstatten, welche Daten gespeichert sind, zu welchem Zweck diese Daten verwendet werden und aus welchem Zusammenhang die Datenspeicherung vorgenommen wurde und auf Wunsch sofort zu löschen, soweit kein zwingendes Interesse des Speichernden besteht. Ein Vorbild hierfür könnte die monatliche Erinnerungsmail einer Mailingliste sein. Wie bei dieser sollte nur ein einfacher Klick auf einen Link genügen, um seine Daten zu löschen. Nur so kann jede und jeder einen Überblick darüber gewinnen, wie weit die eigenen Daten verstreut sind und folglich das eigene Datenverhalten kritisch hinterfragen.

Das Internet vergisst nicht!

Auch im sozialen Leben unserer Generation spielen unsere Daten eine entschiedene Rolle. Der Erfolg des sogenannten „Web 2.0“ basiert vor allem auf dem Reiz, unsere Informationen unkompliziert und schnell mit anderen teilen und somit auf eine bisher nie da gewesene Art kommunizieren zu können.
Viele BenutzerInnen sind sich nicht ausreichend bewusst darüber, dass einmal gespeicherte Daten oftmals weiter verbreitet und über längere Zeiträume gespeichert werden. Die AnbieterInnen von sozialen Netzwerken stehen daher in der besonderen Verantwortung, den Schutz der Daten ihrer NutzerInnen zu gewährleisten und weitgehende Privatsphäre-Einstellungen vorzunehmen. Der Informationsdschungel in Bezug auf die Datenschutzeinstellungen muss transparenter und nuterzInnenfreundlicher werden. Zugleich muss die Kompetenz der BenutzerInnen über den Verbleib ihrer Daten gesteigert werden – wir wollen die BenutzerInnen mächtig machen! Außerdem fordern wir die Einführung eines „Daten-Verfallsdatums“. Eingestellte Daten sollen nach einem bestimmten Zeitraum automatisch gelöscht werden, der zwischen den verschiedenen Bereichen variieren kann, jedoch nicht mehr als zwei Jahre betragen sollte. Es sind wirksame Mechanismen zu entwickeln, um die unkontrollierte Weiterverbreitung von Daten zu vermeiden.

Löschen statt Sperren

Das umstrittene “Zugangserschwerungsgesetz“ hat eine breite gesellschaftliche und politische Diskussion über die Verbreitung illegaler Inhalte und Praktiken mittels Internet ausgelöst. Die GRÜNE JUGEND NRW tritt für eine konsequente Kriminalitätsbekämpfung im Netz ein, aber nicht für unpraktikable Gesetze. Deshalb lehnen wir die Sperrung von Webseiten und Servern als
Maßnahme der Prävention ab. Internet-Sperren schaffen eine Infrastruktur, die auch weitergehende Zensur möglich macht. So gibt es bereits Stimmen, die sich für eine Sperrung von urheberrechtlich fragwürdigen oder anderen umstrittenen Angeboten aussprechen. Diese Entwicklung lehnen wir klar ab! Ein freies und unzensiertes Internet ist ein Grundpfeiler unserer modernen Demokratie. Aber auch die Effektivität der Sperren stellen wir in Frage: Die meisten Sperren lassen sich bereits von Laien leicht umgehen bzw. aufheben.
Die konkrete Ausgestaltung des Sperrgesetzes halten wir für verfassungswidrig, da dem BKA Kompetenzen zugewiesen werden, die nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Konkret bedeutet das, dass Seiten gesperrt werden können, ohne dass ein Richter diese Seiten begutachtet haben muss.
Die GRÜNE JUGEND NRW fordert daher Löschung statt Sperrung von Internetseiten. Des Weiteren setzen wir uns für eine konsequente Verfolgung der TäterInnen ein.
Das Abstimmungsverhalten der GRÜNEN Bundestagsfraktion, aus der sich 15 Abgeordnete bei dem Sperr-Gesetz enthalten haben, darunter auch Abgeordnete aus NRW, zeigt deutlich, dass die GRÜNE JUGEND nicht nur gesamtgesellschaftlich sondern auch in der GRÜNEN Partei noch viel Sensibilisierungsarbeit leisten muss. Diese Herausforderung nehmen wir gerne an.

Freiheit sichern! – „Antiterrorgesetze“ hinterfragen

Onlinedurchsuchung und Vorratsdatenspeicherung sind nur zwei der unzähligen im letzten Jahrzehnt beschlossenen Gesetze zur Terrorismus- und Kriminalitätsbekämpfung, die zur Einschränkung von BürgerInnenrechten geführt haben. Die Erhaltung der inneren Freiheit und die Sicherheit der
Bürgerinnen und Bürger ist eine zentrale Aufgabe des Staates. Dabei dürfen jedoch die demokratischen Grundrechte und die Freiheit der Bevölkerung unter keinen Umständen missachtet oder unverhältnismäßig eingeschränkt werden. Wir begrüßen deshalb ausdrücklich, dass das Bundesverfassungsgericht die Vorratsdatenspeicherung als nicht verfassungskonform eingestuft hat.
Die zentrale Speicherung unserer Daten und die behördliche, heimliche Erfassung von Daten Verdächtiger birgt vielfältige Missbrauchsgefahren. Außerdem stellen diese Gesetze alle BürgerInnen unter Generalverdacht, wodurch die Unschuldsvermutung, ein wichtiger Grundpfeiler unseres
Rechtssystems, umgekehrt wird. Die GRUENE JUGEND NRW lehnt die Vorratsdatenspeicherung daher ab und fordert stattdessen,
Kriminalität und Terrorismus an ihren Wurzeln zu bekämpfen.

Computerspiele sind Kulturgut

In der Öffentlichkeit wird häufig ein Bild von aggressiven Jugendlichen verbreitet, die sogenannte „Killerspiele“ auf dem Computer oder der Spielekonsole spielen und angeblich mehr und mehr den Unterschied zwischen virtueller und realer Welt aus den Augen verlieren. Allein die pauschale
Verwendung des Begriffs “Killerspiele” zeigt, welches Unwissen und Unverständnis für Videospiele in der Öffentlichkeit vorherrscht.
Natürlich lehnen wir gewaltverherrlichende oder sexistische Darstellungen in Videospielen ab und fordern deshalb eine partielle Zensur oder ein Verbot nach transparenten Kriterien. Wir sprechen uns gegen die Indizierung von Videospielen aus, da somit die kritischen Inhalte nicht beseitigt sondern nur verdeckt werden. Damit Kinder und Jugendliche effektiv vor Inhalten geschützt werden können, welche nicht für ihre Altersklasse freigegeben sind, müssen die Erziehungsberechtigten verstärkt auf die Möglichkeit hingewiesen werden, von den Jugendschutzmechanismen, die in den Computern und Spielekonsolen integriert sind, Gebrauch zu machen. Die Gründe für Jugendkriminalität sind vielfältig und dürfen nicht mit Scheindebatten über
Videospielverbote überdeckt werden.
Wir betrachten Computerspiele als einen wichtigen Bestandteil unserer vielfältigen Kulturlandschaft und begrüßen es sehr, dass der deutsche Kulturrat Videospiele bereits als Kulturgut anerkannt hat. Die Entwicklung von Videospielen ist ein Ausdruck von Kreativität und neben dem Spielspaß gibt es viele Spiele, die Fertigkeiten und Wissen vermitteln.
Videospiele sollen ihrem Inhalt nach altersgerecht eingestuft werden. Deshalb fordern wir ein einheitliches Alterseinstufungssystem auf europäischer Ebene, wobei uns wichtig ist, dass eine transparente und unabhängige Kommission die verbindlichen Alterseinschränkungen festlegt.

Medienkompetenz schaffen – Sucht vorbeugen

Das Suchtrisiko von Computerspielen und dem Aufenthalt im virtuellen Raum darf nicht unterschätzt werden. Der Übergang von Gewohnheit zu Sucht ist fließend.
Die GRÜNE JUGEND NRW spricht sich deshalb für den flächendeckenden Ausbau von Angeboten aus, die Computer- und Internetsüchtige betreuen und Therapiemöglichkeiten aufzeigen. Vor allem Angebote, die einen präventiven Charakter haben, müssen ausgebaut werden. Bei minderjährigen NutzerInnen sehen wir die Verantwortung zudem bei den Eltern und der Schule. Daher fordern wir, dass genügend Fortbildungen für LehrerInnen und Informationsveranstaltungen für Erziehungsberechtigte stattfinden, damit diese auch ihrer Verantwortung gemäß richtig handeln können.

Für effektiven Jugendschutz im Internet

Jugendliche verbringen durchschnittlich 120 Minuten pro Tag im Internet. Insbesondere Videoportale und soziale Netzwerke sind beliebte Adressen junger Menschen. Die GRÜNE JUGEND NRW streitet deshalb für effektiven Jugendschutz im Internet. Wir fordern die Einrichtung eines politisch
unabhängigen Gremiums, welches eine Liste mit Internetseiten mit einschlägigen jugendgefährdeten Inhalten erarbeitet; die Erstellung dieser Liste muss transparent und nachvollziehbar durchgeführt werden. Die erstellte Liste ist dazu bestimmt durch Kindersicherungsprogramme herstellerInnenunabhängig benutzt zu werden.
Die meisten Jugendlichen sind mit ihrer Internetnutzung und den damit verbundenen Problemen in ihrer Generation isoliert. Cybermobbing, ungewollte Webpräsenz oder unverantwortlicher Umgang mit eigenen Daten sind negative Nebeneffekte nicht reflektierter Internetnutzung. Die Aus- und
Weiterbildung von LehrerInnen und anderen PädagogInnen muss dringend an diese Herausforderungen angepasst werden. Außerdem muss bereits in der Grundschule mit der Aufklärung und Sensibilisierung im Umgang mit diesem Medium begonnen werden, um ein breites Bewusstsein für den Schutz persönlicher Daten zu verankern. Auch die Eltern sollen in diesen Prozess über Beratungs- und Kontaktangebote mit einbezogen werden.

Freies Wissen für alle! – KünstlerInnen gerecht entlohnen

Früher gingen wir in einen Laden und kauften eine CD, eine Platte, einen Roman, einen Bildband oder ein Hörspiel. Ein Teil des Verkaufserlöses kam dem Laden zu Gute, weitere Teile der Plattenfirma und den UrheberInnen. Das deutsche UrheberInnenrecht ist in diesem Ansatz bereits weit über 100
Jahre alt. Durch das Internet und durch die Entwicklung von Tauschbörsen oder Streamingportalen wie „Youtube“ hat sich das Mediennutzungsverhalten verändert. Musik, Texte und Fotos kursieren im Internet und werden von vielen Tausend oder gar Millionen Menschen kostenfrei genutzt.
Musik- und Filmindustrie gehen gegen all diejenigen NutzerInnen vor, die im Internet Musik und andere unlizensierte Inhalte tauschen. Diese durch das Internet geschaffene Realität stellt eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft dar. Der Aufbau einer unverhältnismäßigen Kriminalisierung-, Verfolgungs- und Kontrollstruktur darf jedoch nicht die Antwort darauf sein. Die GRÜNE JUGEND NRW setzt sich stattdessen für eine Reform des UrheberInnenrechts ein, die einen gerechten Ausgleich der berechtigten Interessen der UrheberInnen an Anerkennung und Vergütung und der der Nutzer auf freie und kreative Medien- und Netznutzung schafft. Ein Ansatz, den wir dabei verfolgen, ist der der Kulturflatrate. Dieses Vergütungsmodell kann auf der einen Seite den KonsumentInnen den freien Tausch von Inhalten, den UrheberInnen auf der anderen Seite eine gerechte Vergütung ermöglichen.
Die Erhebung dieser Kulturflatrate könnte zum Beispiel durch die InternetanbieterInnen vorgenommen werden, die die Daten ihrer KundInnen ohnehin schon gespeichert haben und somit eine datenschutzfreundliche Lösung ermöglichen. Das Geld könnte durch eine neue Behörde, zum Beispiel eine grundlegend reformierte „GEMA“ ohne festgefahrene Strukturen und starre Verteilungsschlüssel, erhoben und auf die UrheberInnen verteilt werden. Durch die Messung von Downloads einzelner Dateien oder der Nutzung dieser kann errechnet werden, welcher/welchem UrheberIn wie viel Geld zusteht. Ziel der Kulturflatrate ist eine Kooperation auf Augenhöhe, bei der weder NutzerInnen noch UrheberInnen benachteiligt werden. Dafür müssen jedoch noch viele Fragen der Ausgestaltung beantwortet werden. Prinzipiell sind pauschale Abgaben nichts Neues. Es gibt sie bereits heute. So zahlen die KäuferInnen von Leerkassetten, CD-Rohlingen oder Kopiergeräten eine Abgabe an Verwertungsgesellschaften. Die Einführung einer Kulturflatrate schließt kommerzielle
Angebote im Internet nicht grundsätzlich aus. Es wird weiterhin möglich sein, Premium Angebote mit besonderen Produktbündeln oder anderen zusätzlichen Services anzubieten. Die kommerzielle Verwertung im Internet als auch die nicht-digitale Verwertung würden durch eine solche Pauschalabgabe nicht verändert.
Die Verteilung der Einnahmen muss durch eine von allen Betroffenen (KünstlerInnen, Verwehrter etc.) zusammen erstellte und überwachte Organisation übernommen werden. Hierbei müssen verschiedene dynamische Methoden angewendet werden, um den unterschiedlichen Konzepten der Nutzung gerecht zu werden. Dabei kann die Messung von Downloads einzelner Dateien oder der Nutzung eine Berechnungsmethode darstellen, welcher/welchem UrheberIn wie viel Geld zusteht.

VerbraucherInnenrechte auch im Internet

Das Internet bietet eine Vielzahl von Diensten, meistens mit redlicher Intention. Es gibt jedoch leider immer wieder SeitenbetreiberInnen, die ahnungslose UserInnen mit versteckten Kosten in die Falle treiben. So wird mit eigentlich kostenfreien Vorgängen (z.B. Download von Freeware) versucht Geld abzuzocken. Nach jetzigem Recht reicht ein kleiner Vermerk in den AGB, die oftmals jedoch nicht sorgfältig genug gelesen werden. Deswegen fordern wir, dass bei jedem kostenpflichtigem Vertrag, der im Internet geschlossen wird, die anfallenden Kosten in einem separaten Anmeldeabschnitt
deutlich benannt und von den BenutzerInnen explizit bestätigt werden müssen.
Außerdem setzen wir uns für die Schaffung einer Stiftung Datenschutz, nach dem Vorbild der Stiftung Warentest, ein, um VerkäuferInnen im Internet die Möglichkeit zu geben, ihre Bestrebungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten sichtbar zu machen.

OpenAccess und OpenSource fördern

Durch den beruflichen und privaten Einsatz von offener und freier Software lassen sich nicht nur Unmengen an Lizenzkosten einsparen. Das vergangene Jahrzehnt hat mit vielen Beispielen, von Linux über Wikipedia und OpenOffice bis Firefox, gezeigt, dass diese freie Software ihren proprietären
Konkurrenten meist in Nichts nachsteht, ihr in vielen Fällen sogar weit voraus ist. Dieser Tatsache ist sich die GRÜNE JUGEND NRW bewusst und will diese Entwicklung besonders an Schulen, Universitäten und in der Verwaltung gezielt fördern, sich aber auch dafür einsetzen, dass OpenSource als ernsthafte Alternative in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Die weiteren Vorteile von offener Software liegen auf der Hand: Jeder, das entsprechende technische Wissen vorausgesetzt, kann ein Programm jederzeit und ohne rechtlicher Einschränkungen um eben die Funktionen erweitern, die
ihr oder ihm fehlen. Jeder kann die Quelltexte des Programms jederzeit einsehen, womit unliebsame Datenschnüffler, wie man sie oft in proprietärer Software versteckt findet, ausgeschlossen werden. Durch die Offenlegung und Dokumentation von Schnittstellen wird nicht nur eine größere Vielfalt ermöglicht, sondern auch ganz banal der Wettbewerb beträchtlich gefördert.

Beschlussfassung der Landesmitgliederversammlung am 7.3.2010 in Köln.

Petition: Wehrpflicht aussetzen, Freiwilligendienste fördern!

Die Grüne Jugend spricht sich seit langem für den Wegfall der Wehrpflicht aus. Marco Penz hat jetzt eine ausführlich begründete Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht.

Der Bundestag wird aufgefordert, die Wehrpflicht auszusetzen und stattdessen Freiwilligendienste stärker zu fördern!

Die Petition könnt ihr hier lesen in Kurzfassung (2 Seiten) und in Langfassung (147 Seiten). Weitere Informationen unter www.petition-wehrpflicht.de.

Online unterstützen: http://www.zentralstelle-kdv.de/petition.php

NETZPOLITIK: Interview mit Matthi Bolte

Risiko und Chancen, die Frage der sozialen Gerechtigkeit, Google und das Zensurgesetz. Matthi reitet mit uns durch den Internetdschungel.

:>krass
Matthi, auf der nächsten Landesmitgliederversammlung beschäftigen wir uns mit Netzpolitik. Wieso ist uns dieses Thema so wichtig?

Matthi Bolte:
Das Thema Netzpolitik ist wichtig, weil wir es heute mit einer Gesellschaft zu tun haben, in der Offline und Online Leben immer weiter miteinander verschmelzen, in der es immer stärker darum geht, dass Menschen Informationen bekommen, dass sie sich austauschen können und dass wir gemeinsam kreativ werden können. Dafür ist das Internet einfach das Medium schlecht hin. Wir müssen es in der ganzen Gesellschaft schaff en mit Internet leben und arbeiten zu können, um die vielen Vorteile daraus nutzen zu können. Hier ist es in den kommenden Jahren die große Herausforderung, allen Menschen einen Zugang zum Internet zu ermöglichen. Ein Zurücklassen von einzelnen Teilen der Gesellschaft, kann sich eine Wissensgesellschaft wie wir es sind, nicht mehr erlauben.

:>krass
Einer deiner politischen Schwerpunkte ist die Netzpolitik – wo siehst du die größten Baustellen auf diesem Gebiet?

Matthi Bolte:
Zum einen muss die Sicherheit von Nutzerdaten gewährleistet sein und im Moment gibt es da noch massive Probleme. Es vergeht ja keine Woche in der nicht irgendwo ein Datenleck bei großen Internetcommunities oder Internetkonzernen auftritt. „Der Spiegel“ hat diese Woche die Titelstory, dass Google mehr über uns weiß, als wir selbst und das ist eine schöne Formulierung. Der Datensammelwahn bei Konzernen ist zur Zeit sehr stark ausgeprägt. Dann gibt es genau so staatliche Überwachung im Internet. Thema Vorratsdatenspeicherung: Hier muss ein halbes Jahr gespeichert werden, was ich im Internet tue. Das passiert natürlich unter dem Deckmantel der Sicherheit – aber es muss einfach die Freiheit im Internet gewährleistet werden. Das ist eine der großen Baustellen, das andere ist die Frage nach dem geistigen Eigentum. Hier sind in den letzten Jahren neue Möglichkeiten aufgetaucht, wie Kulturgüter ihren Weg durch das Internet finden können. Das liegt jenseits der klassischen Verwertungswege. Es kann nicht sein, dass alle Menschen die künstlerische Inhalte austauschen, kriminalisiert werden. Da muss sich etwas ändern und deswegen schlagen wir eine Kulturflatrate vor.
Und ein richtig großer Punkt ist, wie ich schon angedeutet habe, die Frage nach dem Zugang. Es gibt nach wie vor große Gruppen in unserer Gesellschaft, die keinen Internetzugang haben, oder den Stellenwert nicht erkennen. Hierbei handelt es sich um eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Es kann nicht sein, dass bestimmte Schichten vom Internet ausgeschlossen werden, weil sie es sich nicht leisten können oder wollen, oder weil der Bildungsstand es nicht mehr zulässt, mit der Technologie fertig zu werden. Außerdem muss man Menschen aller Altersklassen an das Internet heranführen, weil sonst viele Menschen von ganz wichtigen Prozessen ausgeschlossen sind. Man darf ja nicht nur über die Risiken, sondern muss auch über die Chancen des Internets reden. Hier sind Themen wie Onlinedemokratie und Mitbestimmung wichtig. Modellprojekte sind auf dem Weg und auch die Verwaltung kann immer weiter über das Internet abgewickelt werden – auch wenn das einige Kommunen nur machen, um Geld zu sparen.

:>krass
Du hast gerade die Datensicherheit angesprochen. Kann ein einziger Nationalstaat die BürgerInnenrechte in der globalen Netzwelt garantieren.

Matthi Bolte:
Ich glaube das ist die große Schwierigkeit. Das ist auch einer der Gründe, warum viele Leute die Herausforderung an die Sicherheit im Internet nicht verstehen. Man muss erst mal anerkennen, dass eine gewisse Anarchie, die im Internet herrscht, auch den Reiz ausmacht. Letztlich bräuchte man eine Regulierungsstelle, die auf einer anderen Ebene angesiedelt ist, als heute. Wir können heute Konzernen vorschreiben, wie sie mit den Daten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgehen müssen und wenn sie dagegen verstoßen, werden sie mit einem Ordnungsgeld belangt. Aber wo soll die Instanz sein, die Ähnliches einem Konzern vorschreibt, der seinen Server in den USA hat und unsere Nutzerdaten verarbeitet?
Selbst wenn die USA dann bereit sind einzugreifen, geht man mit seinem Server auf die Cayman Islands oder auf irgendeine Bohrinsel. Das ist die Schwierigkeit und deshalb sollte man ein Bewusstsein bei den Benutzerinnen und Benutzern schaffen. Wenn ich bei Google meine sexuellen Vorlieben eingebe, dann muss ich damit leben, dass ein Konzern, der weltweit operiert, diese Daten über mich besitzt. Es geht also auch um die Bildung über das Internet – man muss nicht nur technisch in der Lage sein mit der Technologie umgehen zu können, sondern auch verstehen, wie man diese Technologie in sein Leben einbindet.

:>krass
Es wird oft argumentiert, das Internet dürfe kein rechtsfreier Raum sein. Was entgegnest du hier?

Matthi Bolte:
An sich ist das Internet ein regulierter Raum. Wenn man sich zum Beispiel den Onlinehandel anguckt, gibt es da mehr oder weniger sinnvolle Regularien.
Hier ist das Internet ein Handelsraum neben vielen anderen. Genau so ist es mit der tatsächlichen Kriminalität. Natürlich gibt es auch im Internet Kriminelle. Für mich ist es keine Frage, dass Menschen die im Internet kriminell sind, dafür genau so belangt werden, wie außerhalb. Ein Beispiel dafür wäre das Phishing – also Ausspähen von Kontodaten. Ob ich nun ein Programm schreibe, um Onlinebankingdaten auszulesen, oder ob ich eine Kamera am Geldautomaten installiere, ist letztlich das Gleiche. Das sind beides kriminelle Handlungen, die beide belangt werden müssen. Da gibt es inzwischen auch Mechanismen für. Sobald so etwas bei den Sicherheitsbehörden bekannt wird, werden entsprechende kriminelle Inhalte gelöscht – das ist ein sinnvolles Verfahren. Bei anderen Dingen wie den kulturellen Gütern, wird oft gesagt, dass es eine ganz große Katastrophe ist, dass Menschen online Musikoder Videodateien austauschen. Ich glaube 99% der Internetuser sind schon der Meinung, dass Künstlerinnen und Künstler Geld dafür kriegen müssen, was sie tun. An sich ist das Internet ein Kunst produzieren, aber es sind nun mal genau so viele die meinen, dass es nicht in Ordnung ist, dass sich eine Musikindustrie unethische Summen daran verdient, dass es Menschen gibt, die kreativ sind. Hier sollte man also, statt so genannte Verbrechen zu bekämpfen, eher die Verwertungs- und Vermarktungswege ändern.

:>krass
Nach dem was du bisher genannt hast – wie erklärst du dir da, dass sich 15 grüne Bundestagsabgeordnete bei dem Internetzensurgesetz enthielten, statt dagegen zu stimmen. Fehlt es da noch an Aufklärung?

Matthi Bolte:
Es ist schwierig. Ich habe die letzten 5 Jahre Kinder- und Jugendpolitik gemacht. Da ist die Frage Kinderschutz natürlich immer prominent gestellt worden. Hier gibt es manchmal Vorschläge, die widersprechen jeder datenschutzpolitischen Vorstellung. Beispielsweise wird gesagt, man müsse jeden Schritt eine Kindes staatlich überwachen können. Eigentlich ist es nachvollziehbar, dass solche Forderungen immer wieder kommen, denn schließlich ist es irgendwo eine Aufgabe der Allgemeinheit, dass die kleinsten Gesellschaftsmitglieder besonders geschützt werden. Ich glaube, dass sich diejenigen, die mit „Enthaltung“ statt mit „Nein“ gestimmt haben, nicht bewusst waren, was andererseits auf dem Spiel stand. Dass Freiheit im Internet genau so ein kultureller Wert ist, wie im Offlinebereich, muss einfach klar sein. Diese Vorstellung ist bei vielen Leuten noch nicht in voller Stärke angekommen. Da liegt es an den progressiven Netzbürgerinnen und Netzbürgern zu sagen:“Liebe Leute, das Internet ist ein Gesellschaftsbereich in dem Freiheit herrschen muss.“

:>krass
Sind da Erscheinungen wie die Piratenpartei nützlich, um auf das Problem aufmerksam zu machen?

Matthi Bolte:
Ich glaube, dass die Piratenpartei im Moment ziemlich gehypt wird. Sie ist mit allen Kinderkrankheiten einer neu gegründeten Partei konfrontiert, was sich ganz klar an ihrem Abgrenzungsproblem nach Rechts zeigt. Man wird sehen müssen, wie sich das weiterentwickelt. Natürlich haben die Piraten ein sehr wichtiges Thema angesprochen und weil sie sich bei der letzten Bundestagswahl ziemlich cool präsentiert haben, haben sie dafür gesorgt, dass dieses wichtige Thema eine größere Aufmerksamkeit bekommen hat. Also bin ich aus der Sicht eine Netzbürgers schon dankbar, dass die Piratenpartei sogar bei den etablierteren Parteien ein gewisses Bewusstsein geschaffen hat. Dass sich dieses Phänomen auf dem Niveau der Bundestagswahl halten wird, kann ich mir aber nicht vorstellen. Dafür gibt es einfach diese Lücken in der Parteienlandschaft nicht, die die Grünen in den Achtzigern und Die Linke Anfang des Jahrzehnts schließen konnten.

:>krass
Du bist mit Verena unser Spitzenkandidat bei der Landtagswahl und stehst auf Platz 14 der Landesliste. Was würdest du im Landtag netzpolitisch bewegen können?

Matthi Bolte:
Der Landtag macht keine Sicherheitsgesetze und auch keine Gesetze zum Schutz des geistigen Eigentums. Also könnten wir dort keine Kulturflatrate einführen. Was wir aber machen können ist, den Zugang zum Netz ermöglichen, Demokratie im Netz stärken und NRW zum Musterland in Sachen eGovernment machen. Auch der Petitionsbereich des Bundestags zeigt gut, wie Mitbestimmung möglich ist – auch was Volksabstimmungen angeht.

:>krass
Mensch sagt sich du twitterst leidenschaftlich gern. …

M.:
Ja, mach ich. (lacht)

:>krass
Ist unser Leben ohne Internet überhaupt noch denkbar?

Matthi Bolte:
Das reizvolle am Internet ist, dass es nicht wie eine Zeitung oder ein Buch, kein Anfang und kein Ende hat. Man findet mittlerweile eigentlich zu fast jedem Thema etwas und jemanden der sich damit beschäftigt. Und wenn man selbst etwas zu Themen beitragen möchte, findet man schnell Communities in denen man gemeinsam arbeiten kann. Ich kann heute Medien und Informationen austauschen, ich kann zu Menschen überall auf der Welt Kontakt herstellen – deswegen ist das Internet einfach ein unheimlich interessantes und buntes Medium.

:>krass
Bunt gefällt uns doch ganz gut. -Ich bedanke mich.

Matthi Bolte:
Gerne.

Das Interview führte Gianmarco Crapa.

Artikel entnommen aus der <:krass-Ausgabe vom Februar 2010. Matthi Bolte hat einen Blog: http://matthibolte.wordpress.com/ und einen Twitter: http://twitter.com/matthi_bolte

Wir stellen uns quer!

Wir, GRÜNE JUGEND, Jusos und Linksjugend [’solid], sind Teil des Bündnisses „Dresden Nazifrei“ und werden am 13. Februar 2010 zusammen mit Tausenden Menschen in Dresden den größten Naziaufmarsch Europas verhindern.

Anlässlich des Jahrestages der Bombardierung Dresdens durch die Alliierten im Februar 1945 planen Neonazis aus ganz Europa einen Marsch durch die Stadt. Im letzten Jahr marschierten fast 7.000 RassistInnen und AntisemitInnen durch Dresden. Ihr „Gedenken“ leugnet die Verbrechen und die Ermordung von Millionen Menschen durch den Nationalsozialismus auf widerlichste Weise und versucht, versucht, Nazi-Deutschland zum eigentlichen Opfer des Zweiten Weltkriegs umzudeuten. Der verbrecherische zweite Weltkrieg ging von Nazi-Deutschland aus!

Die Stadt Dresden hat es bisher nicht geschafft, diesem geschichtsrevisionistischen Spuk ein Ende zu setzen. Gegendemonstrationen liefen in den letzten Jahren meist ins Leere, wurden von der Stadt kriminalisiert und regelrecht bekämpft. Die Stadtoberen legten gemeinsam mit den Nazis Kränze zum Gedenken nieder, während sie jeden ordentlichen Protest gegen den Naziaufmarsch verhindert haben. Auch in diesem Jahr werden die Gegendemonstrationen massiv unterdrückt. In Berlin und Dresden mussten antifaschistische Initiativen Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen über sich ergehen lassen, weil sie zu friedlichen Blockaden in Dresden aufrufen. Wir lehnen diese Repressionen ab – die Zivilgesellschaft hat ein Recht darauf, ihren Protest gegen diesen menschenverachtenden Aufmarsch auf die Straße zu bringen!

Im Jahr 2009 wurden im Anschluss an die Demonstration Busse von Gewerkschaften und anderen AktivistInnen von Neonazis überfallen, dutzende Menschen wurden brutal verletzt. Diese Vorfälle zeigen einmal mehr, dass die Gefahr von rechts und nicht von links droht. Es kann nicht sein, dass konservative Kräfte versuchen, Neonazis und Rechtsextreme mit autonomen und linken Gruppen gleichzusetzen. Statt sich endlich voll und ganz dem Rechtsextremismus anzunehmen, hängt die neue Bundesfamilienministerin einem historisch und politisch nicht haltbaren Extremismusvergleich an. Wir wehren uns massiv gegen jede Gleichsetzung der Bedrohung von Links und Rechts. Das Problem sind und bleiben die Nazis!

Auch in diesem Jahr werden wir gemeinsam mit allen antifaschistischen Kräften, aus den Gewerkschaften, Parteien, Jugend- und Studierendenverbänden, der Umweltbewegung, globalisierungskritischen Gruppen und verschiedenen Aktionsbündnissen aus dem gesamten Bundesgebiet den Aufmarsch der Nazis verhindern. Nie wieder werden wir den RassistInnen unsere Städte überlassen!

Die GRÜNE JUGEND, Jusos und Linksjugend [’solid] rufen gemeinsam dazu auf, sich an der Mobilisierung gegen den Naziaufmarsch zu beteiligen und sich den Nazis entgegen zu stellen.Wir brauchen jedeN EinzelneN, denn nur so können wir den Aufmarsch wirksam blockieren!

Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Nähere Infos im Special beim Bundesverband:

http://www.gruene-jugend.de/aktuelles/dresden/index.html

Von wegen Hopenhagen!

Die Klimakonferenz in Kopenhagen ging ohne ein bindendes Abkommen zu Ende, die Klimabewegung aber präsentiert sich stärker als je zuvor.
Von wegen Hopenhagen!

In der Nacht von Freitag auf Samstag ging es los. Der grüne Bus aus NRW war bis auf den letzten Platz gefüllt, vornehmlich mit Mitgliedern der Grünen Jugend. Bereits seit Monaten war für die große Klimademo in Kopenhagen am 12. Dezember mobilisiert worden, um Druck auf die internationale Politik zu machen. Es ging bei dieser Konferenz um nicht mehr und nicht weniger als um unsere Erde. Zahlreiche Initiativen hatten überall auf der Welt zum Protest aufgerufen, da sich schon im Vorfeld abzeichnete, dass die Verhandlungen scheitern würden. Im Bus wurde überlegt, wie viele Menschen wohl in Kopenhagen auf die Straße gehen würden. 30.000, 50.000 wie im September bei der Anti-Atom Demo in Berlin, oder gar 80.000?

Mit der Fähre sollte der Bus nach Dänemark übersetzen. Hier machten sich nun auch die verstärkten Grenzkontrollen bemerkbar, als zwei Polizisten den Bus betraten und alle Ausweise kontrollierten. Trotzdem kamen wir gut voran und erreichten bereits kurz nach sieben die dänische Hauptstadt. Das dicke Zeitpolster nutzten einige, um sich die besetzte Wohnsiedlung „Freistadt Christiania“ anzuschauen oder einen Stadtrundgang zu machen. Die erste politische Aktion war für 10 Uhr angesetzt. Vom Hauptbahnhof aus bewegte sich eine blaue Welle mit tausenden TeilnehmerInnen zum dänischen Parlamentsgebäude, ein Symbol für die durch den Klimawandel vergrößerte Überfl utungsgefahr. Es wimmelte von kreativen Aktionen und Transparenten.

100.000 Menschen hatten sich in Kopenhagen zusammengefunden

Auf dem Platz vor dem Parlament sollte um 12 auch die Auftaktkundgebung stattfi nden. Bei Sonnenschein, rhythmischer Musik und Tanz strömten immer mehr Menschen hinzu, bis auch die Straßen und Brücken ringsherum gefüllt waren. Nach Reden von zahlreichen PolitikerInnen und KlimaaktivistInnen aus aller Welt, stand die Zahl der Demonstrierenden fest: 100.000 Menschen hatten sich in Kopenhagen zusammengefunden, um für Klimagerechtigkeit, den Erhalt der Biodiversität und diesen Planeten zu demonstrieren. Mitten im Getümmel war eine ältere Frau, winterlich vermummt und mit Dutzenden Grünen-Fahnen auf dem Arm aufgetaucht. Erst auf den zweiten Blick entpuppte sie sich als Bärbel Höhn. Bald hatte sich ein internationaler grüner Block gebildet mit unzähligen GJ-Igeln, die über den Köpfen wehten.

Der riesige Demonstrationszug setzte sich nun in Richtung des „Bella Centers“ in Bewegung, wo der Konferenzpräsidentin Connie Hedegaard und dem Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer die Forderungen der Klimabewegung überreicht werden sollten. Die Grüne Jugend machte die gesamte Demo-Route über kräftig Stimmung, auch um die Minustemperaturen aus dem Körper zu vertreiben. “What do we want?“ – “Climate Justice!“ – “When do we want it?“ – “Now!” Die globale Präsenz der grünen Bewegung beeindruckte.

Nach zweieinhalbstündigem Fußmarsch erreichten wir im Dunkeln die Abschlusskundgebung. Doch hatten sich die Strapazen gelohnt? Kopenhagen würde als zwei schwarze Wochen in die Geschichte der internationalen Klimapolitik eingehen. Zwei Wochen Verhandlungen, an denen Machtgefüge, Wirtschaftslobbyismus und Klimaskepsis schwerer wiegten als globale Gerechtigkeit, wertvolle Natur und die Zukunft der Menschheit. Zwei Wochen, während denen friedliche DemonstrantInnen die geballte Polizeiwillkür einer Mitte- Rechts Regierung zu spüren bekamen. Und zwei Wochen, in denen es die Mächtigen dieser Welt nicht fertig brachten, der Menschheit mehr zu hinterlassen als vage Absichtserklärungen und mittelmäßige Reformvorschläge.‘

Doch im Grunde sind alle recht zufrieden nach NRW zurückgefahren. Immerhin war es gelungen, die größte Klimademonstration aller Zeiten auf die Beine zu stellen, der Klimawandel genießt nun endgültig die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Es ist klar geworden, dass der Druck von unten entscheidend ist für eine Umstellung der Wirtschaftsweise und den Aufbruch in ein grünes Zeitalter. Die wirtschaftlichen und politischen Führungsgestalten sind kein Garant für einen solchen Aufbruch. Nur mit einer breiten, internationalen Bewegung lässt sich der menschenverursachte Klimawandel stoppen. Kopenhagen hat bewiesen, dass es diese globale Klimabewegung gibt. Und die Grüne Jugend ist ein Teil von ihr.

Text: Enno Wiesner

Artikel entnommen aus der <:krass-Ausgabe vom Februar 2010.