Wir stellen die Systemfrage! – Bildungsgerechtigkeit jetzt!

Grundsätze junger grüner Bildungspolitik in NRW

Bildungspolitik ist eines der zentralen Zukunftsthemen. Bildung ist mehr als die bloße Vorbereitung auf das Berufsleben. Sie dient der Selbstentfaltung des Individuums, der 5 Erweiterung des Allgemeinwissens, der kritischen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und dem respektvollen
Umgang mit Anderen. Bildung ist der Schlüssel zu gesellschaftlicher Integration. Herkunft, Geschlecht, finanzielle Umstände oder Behinderungen dürfen keine Auswirkungen auf die Bildungschancen und den Bildungserfolg haben. Deshalb müssen alle Bildungsangebote von der Kita bis zur Hochschule kostenlos sein und auf individuelle Förderung, statt auf Leistungsdruck und Selektion setzen. Nur mit einem guten und gerechten Bildungssystem können wir soziale Ungerechtigkeiten überwinden und unsere Demokratie stärken.

Bei den Bildungsausgaben gemessen am BIP rangiert Deutschland auf einem der letzten Plätze im europäischen Vergleich. Wer es ernst meint mit der Bildung, muss Geld in die Hand nehmen und es richtig einsetzen. Durch die Föderalismusreform1 wurde dem Bund die finanzielle Förderung von
Bildungseinrichtungen in den Bundesländern untersagt. Das halten wir für falsch. Gute, durchfinanzierte Bildung ist nur durch die Zusammenarbeit von Bund und Ländern möglich. Unser derzeitiges Bildungssystem ist hochgradig ungerecht und verstärkt soziale Unterschiede. Frühe Selektion, sogenannte Förderschulen, Leistungs- und Notendruck, die achtjährige Gymnasialzeit, Studiengebühren und mangelnde Ausbildungsplätze machen deutlich: Unser Bildungssystem ist gescheitert und muss komplett umgekrempelt werden! Die schwarz-gelbe Landesregierung in NRW hat die letzten fünf Jahre mit falscher, ideologisch verblendeter Bildungspolitik verschwendet. Schulministerin Sommer hält am Einsortieren in Schubladen nach der vierten Klasse fest, Wissenschaftsminister Pinkwart hat Studiengebühren eingeführt und die Hochschulen gnadenlos durchökonomisiert2. Damit muss Schluss sein!

Für die GRÜNE JUGEND NRW ist Bildung ein zentrales politisches Betätigungsfeld. Für die Umsetzung unserer Forderungen werden wir bei den Grünen und in der Gesellschaft auch in den kommenden Jahren kämpfen.

Chancengerechtigkeit von Anfang an

Der erste Schritt auf einem erfolgreichen Bildungsweg wird bereits im frühkindlichen Alter gemacht, denn die Entwicklung von sozialen, kognitiven und emotionalen Fähigkeiten findet bereits in den ersten Lebensjahren statt. Um allen Kindern von Anfang an dieselben Chancen zu geben, setzen wir uns für starke Kitas ein, die für den Dreiklang von Erziehung, Betreuung und Bildung stehen. Dabei müssen Spaß und Freizeit im Vordergrund stehen.

Für das Recht auf einen Kita-Platz!

Derzeit befriedigt das Angebot an Kita-Plätzen bei weitem nicht die Nachfrage. Die Anzahl der Plätze für unter Dreijährige in NRW entspricht gerade einmal einer Bedarfsdeckung von 19 Prozent. Die GRÜNE JUGEND NRW setzt sich für einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz nach dem ersten Lebensjahr ein, der nicht nur das Recht eines jeden Kindes auf frühkindliche Bildung ausdrückt, sondern auch zwangsläufig zum flächendeckenden Ausbau, insbesondere für die unter Dreijährigen, führt. Auch bedarf es weiterer Ganztagsangebote, insbesondere für die Kinder berufstätiger Eltern.
Der Ausbau einer qualitativ hochwertigen Kindertagesbetreuung steht für uns jedoch nicht primär unter dem Fokus der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Für uns steht die Gewährleistung von Bildungschancen im Vordergrund.

Die gnadenlose Unterfinanzierung der Familienzentren muss ein Ende haben! Darüber hinaus ist auch ein Ausbau der kommunalen Kinder- und Jugendhilfe dringend notwendig. Damit alle Eltern wirklich die Möglichkeit haben, ihre Kinder in eine Kita gehen zu lassen, wollen wir die Elternbeiträge abschaffen. Die Kitas müssen steuerfinanziert werden, denn die Erziehung und Bildung von Kindern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch von der gesamten Gesellschaft getragen werden muss. Bei der Finanzierung darf sich das Land nicht aus der Verantwortung ziehen und den Kommunen weitere finanzielle Lasten zumuten. Unser Ziel ist es, das Recht auf Bildung und frühe Förderung für alle Kinder zu gewährleisten, denn
kein Kind darf zurückgelassen werden. Wir fordern deshalb die Einführung einer Kindergartenpflicht für alle Kinder ab drei Jahren, so dass alle Kinder vor Schuleintritt von dem Bildungsangebot einer Kindertageseinrichtung profitieren und das soziale Miteinander mit Gleichaltrigen erleben können.
Dies gilt insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund und aus schwierigen Lebenssituationen, die überdurchschnittlich häufig keinen Kindergarten besuchen. Die Kita soll zu einem festen Bestandteil unseres Bildungssystems werden.

Qualitätsoffensive in den Kitas!

Neben dem Ausbau muss eine Qualitätsoffensive für die Kitas ohne gleichzeitige Verschulung stattfinden, deshalb wollen wir landesweite Rahmenbedingungen schaffen. Die Kita der Zukunft ist ein Ort, an dem Kinder Selbstbewusstsein, Vertrauen und sozialen Umgang mit Gleichaltrigen lernen
und ihre Talente entfalten können, denn gerade hier können Defizite ausgeglichen und Chancengerechtigkeit hergestellt werden.

Neue und veränderte Anforderungen bedeuten auch eine andere Berufsausbildung der ErzieherInnen. Zukünftige ErzieherInnen sollen eine Ausbildung auf Fachhochschulniveau bekommen, derzeitige ErzieherInnen wollen wir weiterqualifizieren. Auch treten wir für eine höhere Entlohnung der ErzieherInnen und KinderpflegerInnen ein. Durch beides wird das Ansehen dieser Berufe gestärkt. Aus dieser Konsequenz heraus fordert die GRÜNE JUGEND NRW, dass die Bezahlung der ErzieherInnen sich an der Vergütung anderer pädagogischer Fachkräfte (LehrerInnen) orientiert. Gleichzeitig wollen wir den Erziehungsbereich aber nicht für Personen ohne Fachabitur verschließen, sondern auch weiterhin für Ausbildungsberufe, wie z.B. den der/des KinderpflegerIn, offenhalten. In den Kitas soll eine Mindestanzahl an studierten ErzieherInnen arbeiten, die durch ausgebildetes Betreuungspersonal unterstützt werden. Die Mehrkosten durch den höheren Ausbildungsgrad der ErzieherInnen sind vollständig durch das Land zu tragen.
Insbesondere Männer wollen wir für die Arbeit in Kindertageseinrichtungen gewinnen, denn männliche Bezugspersonen sind nicht nur für die Entwicklung eines Kindes wichtig, sondern führen auch zum Aufbrechen geschlechtsspezifischer Rollenklischees in der Gesellschaft.

Individuelle Betreuung

Das schwarz-gelbe Kinderbildungsgesetz (KiBiZ) hat aufgrund starrer Betreuungsvarianten, nach denen der Personalschlüssel berechnet wird, oftmals Mehrarbeit für die Beschäftigten 100 in den Kitas zur Folge. Der Betreuungsschlüssel für Kinder unter drei Jahren hat sich sogar noch verschlechtert. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert einen pädagogisch sinnvollen Kinder-ErzieherInnen-Schlüssel, mit dem individuelle Förderung möglich ist. Die Freistellung von Leitungskräften muss wiedereingeführt werden. Der Aufnahme von Kindern mit Behinderungen darf in Zukunft nichts im Wege stehen. Auch Sprachförderung, ganz besonders im Hinblick auf mehrsprachig aufwachsende Kinder, muss eine Selbstverständlichkeit sein.

Finanzierung auf hohem Niveau gewährleisten!

In den letzten Jahren hat das Land sich im Wesentlichen darauf beschränkt, Forderungen aufzustellen und Ziele zu definieren. Für die Finanzierung wurden die Kommunen herangezogen. Viele Kommunen sind jedoch, auch angesichts der Wirtschaftskrise und den damit verbundenen Gewerbesteuerausfällen, kaum mehr in der Lage, diese Kosten zu tragen. Die Finanzierung von Kinderbetreuung muss weiterhin eine gemeinschaftliche Aufgabe von Kommunen und Land sein! Im ersten Schritt fordern wir die Wiedereinführung des Elternbeitragsdefizitausgleichsverfahrens und die Rücknahme der Kürzungen durch KiBiZ.

Die Schule der Zukunft

In einem gerechten Schulsystem haben alle Kinder unabhängig von Herkunft, Einkommen der Eltern und Geschlecht das gleiche Recht auf die beste Bildung. Dieses Recht wird nur in einer Schule für alle Kinder Realität. Diese Schule soll ein Ort des Lernens und des Lebens sein! Eine für alle!

Das nordrhein-westfälische Schulsystem ist derzeit höchst ungerecht und selektiv: Bereits nach der vierten Klasse wird über den weiteren Bildungsweg entschieden, durch die Einführung der Schulzeitverkürzung (G8) wurde das Gymnasium gänzlich von den anderen Schulformen entkoppelt. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems und die Einführung einer Schule für alle. In dieser neuen Schule sollen alle Kinder bis zum Ende der Pflichtzeit, in der Regel bis zur Jahrgangsstufe 10, gemeinsam unterrichtet werden, mit räumlicher Trennung in die Grund- und weiterführenden Schule, nach dem Prinzip, die stärkeren SchülerInnen unterstützen die Schwächeren, denn alle können voneinander lernen! Im Vordergrund sollte ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Frontalunterricht, kleinen Lerngruppen und alternativen Lern- und Unterrichtsmethoden stehen. Dafür wollen wir den Schulen die größtmögliche Autonomie geben, damit LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern gemeinsam die für sie sinnvollsten Konzepte im Rahmen der Lehrpläne des Landes erproben und umsetzen können. Der Lernstoff muss in einem sinnvollen Maß verkürzt und gleichzeitig durch innovative Inhalte ergänzt werden, um eine größtmögliche Anpassung an die Alltagsrealität zu gewährleisten. So sollen Themen wie beispielsweise Recht oder Ernährungswissenschaften nicht nur auf dem Papier angeboten werden. Mehr pädagogische Aufgaben für die Schulen müssen aber auch mehr Lehrpersonal sowie SchulpsychologInnen, Sonder- und SozialpädagogInnen mit sich bringen.
Mit dem Abschluss der Klasse 10 erhalten die SchülerInnen die Mittlere Reife. Nach der Mittleren Reife kommt die so genannte „Oberstufe“ in der die SchülerInnen die Möglichkeit haben ihren Stundenplan flexibel nach ihren Interessengebieten und ihren Stärken zu wählen. Sie haben die Möglichkeit ihre Fachhochschulreife oder die Allgemeine Hochschulreife zu erlangen.

Ganztagsschulen ausbauen

In vielen Kommunen werden trotz leerer Kassen die Schulen bereits zu Offenen Ganztagsschulen umgebaut. Wir wollen den flächendeckenden Ausbau mit finanzieller Beteiligung des Landes weiter vorantreiben. Langfristig streben wir eine verpflichtende Ganztagsschule an, in der ausreichend Zeit für individuelle Förderung und für eine Entzerrung von Unterrichtseinheiten vorhanden ist. Vorraussetzungen für die Ganztagsschule sind die entsprechende Infrastruktur für die Zubereitung eines warmen, kostenlosen und nach Wunsch auch vegetarischen oder veganen Mittagessens für jedes Kind sowie pädagogische Betreuungsangebote, die von einfacher Hausaufgabenhilfe über zusätzliche individuelle Fördermaßnahmen bis hin zur Vermittlung von Sozialkompetenz gehen. Dazu wird auch eine engere Zusammenarbeit von schulischer und außerschulischer Bildung benötigt. Freizeitangebote sollen möglichst in Absprache mit den örtlichen Vereinen angeboten werden. Eine zusätzliche Zusammenarbeit mit anderen Schulen kann zudem eine große Vielfalt dieser Angebote bei gleichzeitig geringen Kosten ermöglichen.

Für alternative Leistungsbewertung – Sitzenbleiben abschaffen

Die individuelle Leistung eines Menschen kann nicht differenziert durch eine Zahl auf der Skala von eins bis sechs gerecht ausgedrückt werden, da diese wenig aussagekräftig über die Stärken und Schwächen eines Menschen sind. Um den SchülerInnen besser Rückmeldung über ihre Lernerfolge geben zu können, und um Leistungsdruck entgegen zu wirken, setzen wir uns für alternative Formen der Leistungsbewertung, wie z.B. Kompetenzraster oder Lerntagebücher, ein. Noten sollen ab der neunten Klasse ergänzend eingeführt werden. Diese fließen in die jeweiligen Abschlüsse ab der zehnten Klasse ein und gewährleisten somit eine Vergleichbarkeit. Kopfnoten sind pädagogisch nicht sinnvoll und gehören deshalb sofort abgeschafft!

Das Wiederholen einer Klassenstufe hat keinen pädagogischen Wert, stattdessen greift es das Selbstbewusstsein der SchülerInnen an, die aus ihrem gewohnten Klassenumfeld gerissen werden. Anstatt der erzwungenen Wiederholung von Klassen fordern wir verstärkte individuelle Betreuung mitunter zusätzlich zum Regelunterricht. Die Wiederholung einer Klasse ist nur dann sinnvoll, wenn dies von der/dem SchülerIn und den Eltern gemeinsam mit dem Lehrpersonal entschieden wird.
Bis zur Realisation der gemeinsamen Schule für alle muss auch das so genannte Abschulen abgeschafft werden. Die individuellen Probleme von Schülerinnen und Schülern lassen sich nicht über eine Art „Verschiebebahnhof“ lösen. Wegsehen und wegschieben sind keine Alternativen zu individueller Förderung!

Gute Nacht – G8!

Wir sagen klar: Schulzeit ist Lebenszeit. Diese Lebenszeit muss frei sein von Leistungsdruck und Versagensängsten. Daher ist die Verkürzung der Gymnasialzeit, wie sie von der schwarz-gelben Landesregierung umgesetzt wurde, falsch, denn hier soll der gleiche Lernstoff in kürzerer Zeit „durchgepaukt“ werden. Wer mehr Zeit zum Lernen braucht, oder sich bewusst dazu entscheidet, das eigene Wissen zu vertiefen, soll das können. Ebenso muss es besonders leistungsstarken SchülerInnen stärker als bisher ermöglicht werden, die Schulzeit zu verkürzen. Deshalb fordern wir größere Flexibilität bei der Dauer des Schulbesuchs: Fester Bestandteil soll ein Schuljahr sein, dass zur Vertiefung der individuellen Förderung oder für Auslandsaufenthalte genutzt werden kann und so die Persönlichkeitsbildung in dieser wichtigen Lebensphase unterstützt.

Wer macht Schule?

Wir sehen den Staat in der Pflicht, ein chancengerechtes Bildungssystem zu schaffen, in dem niemand zurückgelassen wird. Den derzeitigen Trend hin zu mehr Privatschulen sehen wir kritisch, zeigt er doch, wie marode unser Schulsystem aktuell ist. Dabei nehmen wir besorgt zur Kenntnis, dass aufgrund von Schulgeldern und anderen Zugangshürden Kinder aus finanziell schwächeren Familien diesem Trend nicht folgen können. Dies verstärkt die soziale Ungleichheit enorm. Als GRÜNE JUGEND NRW fordern wir, dass Privatschulen den Zugang für SchülerInnen unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern ermöglichen. Außerdem muss die Neugründung von Privatschulen an einen nachweislich integrativen Anspruch gekoppelt werden.
Langfristig wollen wir sämtliche materiellen Unterschiede im Bildungssystem bekämpfen und Privatschulen durch die Umsetzung grüner Bildungspolitik überflüssig machen. Im Grundgesetz werden Schulen in privater Trägerschaft lediglich als „Ersatz“ staatlicher Schulen bezeichnet, deren Aufgabe es ist bildungspolitische Innovationslücken zu schließen. Diese pädagogische Neujustierung muss jedoch an staatlichen Schulen konsequent umgesetzt werden. Positive Aspekte heutiger Privatschulen wollen wir durch die größtmögliche Autonomie der einzelnen Schulen auch bei einem vollkommen staatlich organisierten Schulsystem beibehalten, so ließen sich neue pädagogische Erkenntnisse beispielsweise zunächst an staatlichen Projektschulen erproben. Die GRÜNE JUGEND NRW setzt sich konsequent für die Überwindung sozialer Unterschiede im Bildungsbereich, echte Individualität und ein Schulsystem in ausschließlich staatlicher Trägerschaft ein.

Demokratie und Mitbestimmung in der Schule lernen und leben

Die nordrhein-westfälische Schulrealität ist undemokratisch und hierarchisch. Dieses System wollen wir radikal demokratisieren. Die Schulen müssen ihrem Auftrag der Demokratieerziehung nachkommen. Wir fordern, dass der Politikunterricht fest in die Lehrpläne verankert wird, außerdem wollen wir außerschulische Aktionen, wie z.B. die projektbezogene Zusammenarbeit mit städtischen Jugendparlamenten, fördern. Schule darf kein Politik freier Raum sein. Demokratische Parteien und deren Jugendverbände sollen stärker als bisher zu ausgewogenen Podiums- und Diskussionsveranstaltungen eingeladen werden, um den politischen Meinungsbildungsprozess der SchülerInnen zu unterstützen. Für Projekte wie „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ oder
„Schule der Vielfalt – Schule ohne Homophobie“ wollen wir werben, damit sich mehr Schulen durch Projekte und Veranstaltungen diese Titel erwerben und damit ein eindeutiges Zeichen für mehr Demokratie setzen.
Außerdem befürworten wir die Einführung einer Schulvollversammlung, auf der alle MitarbeiterInnen und alle SchülerInnen eine Stimme haben um z.B. über Projekttage zu entscheiden.

Medienkompetenz in der Schule vermitteln

Moderne Medien wie das Internet sind heute ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Deshalb müssen bereits in der Schule die notwendigen Kenntnisse im Umgang mit neuen Medien vermittelt werden. Hierbei sollen die Schulen besonders beim Einsatz von quelloffenen Betriebssystemen gestärkt werden. Dies könnte geschehen, indem das Land Schulen, welche auf jene Betriebssysteme umrüsten, eine Fortbildung finanziert. Eine solche Maßnahme würde zudem den SchülerInnen die Medienvielfalt näher bringen und die SchülerInnen nicht auf einzelne Lizensprodukte festlegen. Darüber hinaus ist es aber auch wichtig die SchülerInnen zum kritischen Bewerten von Texten und Quellen anzuhalten und ihnen außerdem Wissen über die Gefahren der Verbreitung von persönlichen Daten, Fotos etc. zu vermitteln. Denn nur so können die SchülerInnen wirklich vor Phänomenen wie Cybermobbing und Kriminalität im Internet geschützt werden.
Derzeit sind jedoch die SchülerInnen ihren LehrerInnen im Umgang mit dem Computer und dem Internet um einiges voraus. Um ihren SchülerInnen wichtige Hinweise für die Nutzung des Internets geben sowie eine gute und aktuelle Medienkompetenz vermitteln zu können, braucht es gut geschulte
und sich fortbildende LehrerInnen, aber auch eine gute, umfangreiche und moderne Ausstattung der Schulen, damit diese Kenntnisse auch vermittelt werden können.

Finanzkompetenz in der Schule vermitteln

In keinem Fach sieht der Lehrplan vor, den SchülerInnen Finanzkompetenz zu vermitteln. Die Kinder müssen Größenordnungen beim Geld richtig einzuschätzen können. Geld, Sparen und Schulden sind wichtige Themen, die in der Schule kaum behandelt werden. Wir fordern, in den Schulen Unterrichtsblöcke mit den VerbraucherInnenzentralen und SchuldnerInnenberatungen zum Thema Finanzkompetenz einzuführen.

LehrerInnenaus- und weiterbildung reformieren

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Schulbildung sind gut ausgebildete LehrerInnen. Dazu muss sich einiges an den aktuellen Aus- und Weiterbildungsformen ändern. Besonders in der universitären Phase der Lehramtsausbildung ist ein stärkerer Praxisbezug in Form von praktischen Phasen und semesterbegleitenden Praktika wichtig, um den Lehramtsstudierenden die Möglichkeit zu geben, sich an den Schulalltag zu gewöhnen. Auch inhaltlich sollte sich die Ausbildung mehr an der alltäglichen Praxis orientieren. Ein verpflichtender Grundkurs im politischen System der Bundesrepublik, den
Grundzügen der Rechtsordnung und der jüngeren Zeitgeschichte im Rahmen der Lehramtsausbildung wäre notwendig, um dem demokratischen Erziehungsauftrag laut Landesverfassung auch wirklich gerecht werden zu können. Wir fordern die Einführung eines spezifischen Bachelor „Lehramt“, damit den Studierenden bereits in der ersten Phase vor Eintritt in den „Master of Education“ pädagogische und didaktische Inhalte vermittelt werden können. Gleichwohl fordern wir, den Wechsel in einen Lehramtsstudiengang zu erleichtern.
Die Einstellung muss in ordentliche Verträge ohne Befristung erfolgen und die Tätigkeiten im bedarfsdeckenden Unterricht müssen adäquat vergütet werden. Außerdem ist eine rechtliche und materielle Gleichstellung der ReferendarInnen sowie der ausgebildeten LehrerInnen an den unterschiedlichen Schultypen nötig. Um einen qualitativ hochwertigen und effektiven Unterricht auch bei LehrerInnen, die schon länger im Beruf sind, gewährleisten zu können, sind fortwährende Weiterbildungsmaßnahmen notwendig.

Die Gedanken sind frei!

Religion ist für viele Menschen ein wichtiger Haltepunkt, für andere spielt sie keine Rolle. Wir fordern deshalb, dass allen SchülerInnen Religionsunterricht in allen Weltreligionen auf freiwilliger Basis angeboten wird. Dieser Unterricht kann gegebenenfalls auch in Kooperation mit anderen Schulen stattfinden, wenn an einer Schule keine ausreichende Zahl an InteressentInnen vorhanden ist. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert ein verpflichtendes Unterrichtsfach Ethik. Ziele des Unterrichts sollen zum einen soziale Kompetenz, interkulturelle Dialogfähigkeit und ethische Urteilsfähigkeit auf Basis von Werten wie Demokratie, Toleranz, Geschlechtergerechtigkeit, Pluralismus und Gewaltfreiheit sein. Zum anderen sind Kenntnisse über die verschiedenen Weltreligionen zu vermitteln. Dies fördert interkulturelles Verständnis, baut Vorurteile ab und bietet einen differenzierten Blick auf den Zusammenhang von Kultur und Religion der MitschülerInnen.
Ethikunterricht und ein Überblick über die verschiedenen Weltreligionen bieten darüber hinaus eine angemessen Entscheidungsgrundlage über den Glauben oder das Nicht-Glauben.

Geschlechtergerechter Unterricht

Das Geschlecht darf für den Bildungsweg keine Rolle spielen. Die Schule hat die Aufgabe geschlechterspezifische Rollenklischees aufzubrechen und das Berufswahlverhalten sowohl von Mädchen als auch von Jungen zu erweitern. Um dies zu erreichen sind geschlechtergerechte Lernmaterialien sowie ein verbessertes Berufsberatungsangebot notwendig. Zudem wollen wir, dass die Teilnahme am so genannten Girls- bzw. Boys-Days zur Regel wird.
Die binäre Geschlechtsordnung, mit ihrem Zwang zur Stimmigkeit zwischen Geschlechtsmerkmalen, Geschlechtsidentität, Verhalten und sexueller Orientierung, ist in der Schule allgegenwärtig. Hier muss Schule aber als Korrektiv wirken. Auch der Biologieunterricht muss ohne die mittlerweile
widerlegte biologische Zweigeschlechtlichkeit auskommen. Gerade hier kann anschaulich demonstriert werden, dass die Mär von ausschließlich zwei Geschlechtern eine Farce ist.

Hochschule gerecht!

Obwohl gerade NRW als Wissens- und Forschungsstandort auf gut ausgebildete junge Menschen angewiesen ist, hat die schwarz-gelbe Landesregierung nichts für eine Verbesserung der Situation an den Hochschulen unternommen. Stattdessen wurden Studiengebühren eingeführt, die studentische Mitbestimmung eingeschränkt und auf einseitige Elitenförderung gesetzt.
Die GRÜNE JUGEND NRW kämpft dafür, dass jeder Mensch unabhängig von seiner Herkunft oder seiner finanziellen Mittel ein Studium aufnehmen kann. Selbstständiges und selbstbestimmtes Studieren sowie eine freie Wissenschaft, die sich an ethischen Grundsätzen orientiert, stehen für uns im Vordergrund.

Studieren muss kostenlos sein

Jeder Mensch hat ein Recht auf kostenlose Bildung. Die GRÜNE JUGEND NRW lehnt deshalb jegliche Form von Studiengebühren inklusive nachgelagerter Studiengebühren, Studienkonten und Langzeitstudiengebühren ab und fordert deren sofortige Abschaffung. Die dadurch entfallenden Gelder, auch wenn sie nur einen kleinen Teil des Haushaltes von Hochschulen ausmachen, müssen vom Land NRW getragen werden. Denn Studiengebühren haben die verheerende Wirkung, dass Menschen, die eigentlich studieren wollen, vom Studium abgehalten werden. Zudem schreiben sie den in Deutschland eh schon stark ausgeprägten Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungschancen fest. Zurzeit kommen etwa 80 Prozent der Studierenden aus AkademikerInnen-Elternhäusern. Gerade Menschen aus nichtakademischem Elternhaus sind hingegen oftmals nicht in der Lage, bis zu 500 Euro Studiengebühren pro Semester aufzubringen. Wer trotzdem studieren möchte, muss nebenher arbeiten, was es neben dem eh schon herrschenden Zeit- und Leistungsdruck fast unmöglich macht, in der Regelstudienzeit zu bleiben.
Erschreckend ist der unverantwortliche Umgang einiger Hochschulen mit den Einnahmen durch die Studiengebühren. Entgegen der Zusage, die Gebühren nur in die Verbesserung der Lehre zu investieren, fließen diese immer wieder auch in andere Projekte. Wir fordern, dass fehlgeleitete Gebühren an die verfasste Studierendenschaft zurückerstattet werden. Wir fordern eine transparentere Berichterstattung über die Verwendung der Studiengebühren.
Nicht allein durch die Studiengebühren kommt es zu finanziellen Belastungen der Studierenden. Der Wohnraum ist oftmals zu teuer, die Lebenshaltungskosten oftmals zu hoch. Deshalb müssen viele Studierende neben ihrem Studium arbeiten, durch die Verkürzung der Studienzeit in Folge der
Bologna-Reform ist dies nahezu unmöglich geworden. Teilweise reicht der BAföG-Höchstsatz kaum zum Leben aus. Zur Entlastung der Studierenden fordern wir neben finanzierbaren Wohnraum in der Nähe der Hochschulen ein elternunabhängiges BAföG.

Zugangshürden abbauen – mehr Studienplätze schaffen

In NRW gibt es immer noch zu wenige Studienplätze für StudienanwärterInnen. Bis zum Jahr 2015 müssen mindestens 100.000 zusätzliche Plätze geschaffen werden, nicht zuletzt auch wegen des doppelten Abitur-Jahrgangs 2012/20133. Die Zugangshürden an den Hochschulen wollen wir durch die Abschaffung der NC’s abbauen, damit auch alle, die studieren möchten, ein Studium beginnen können. Der vermehrten Verwendung von hochschulinternen Zugangstests stehen wir jedoch kritisch gegenüber. Auch für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung wollen wir den Zugang zur Hochschule ermöglichen. Anstatt Geld und Kraft für den Ausbau öffentlichkeitswirksamer Eliteförderprogramme und Leuchtturmprojekte zu verschwenden, fordern wir den systematischen Ausbau von Studienplätzen und Erhöhung des Lehrpersonals an den Unis!

Demokratieabbau unter dem Deckmantel der Hochschul-„Freiheit“

Das „Hochschulfreiheitsgesetz“ setzt die Hochschulen einem verschärften und unnötigen Wettbewerb aus. Den Gedanken, dass Hochschulen wie Unternehmen funktionieren müssen, lehnen wir entschieden ab. Durch den erhöhten Wettbewerbsdruck zwischen den Hochschulen in NRW hatten die Hochschulen keine andere Wahl als die Studiengebühren einzuführen. Die Landesregierung hat somit einen Großteil ihrer Verantwortung für die Hochschulen aufgegeben und die Hochschulleitungen gegen die Studierendenschaft ausgespielt.

Wir fordern die Abschaffung der sogenannten Hochschulräte. Diese nicht demokratisch legitimierten Gremien, die nicht-öffentlich tagen, erhöhen den Einfluss Außenstehender, wie z.B. von Unternehmen, auf die Hochschulen und schränken die Mitbestimmungsrechte der Studierenden ein. Das führt zu zunehmender Förderung der „ökonomisch verwertbaren“ Fächer wie Wirtschafts- oder Ingenieurswissenschaften, wohingegen sogenannte „Orchideen-Fächer“ chronisch unterfinanziert bleiben. Das Hochschulfreiheitsgesetz ist eine große Gefahr für die Demokratie an Hochschulen und für die Freiheit von Forschung und Lehre. Wir fordern deshalb die Abschaffung dieses Gesetzes!

Bereits vor Verabschiedung des demokratiefeindlichen Hochschulfreiheitsgesetz war eine Hochschuldemokratie, so wie wir sie uns vorstellen, nicht Realität. Wir fordern eine 1/3-Parität in den maßgeblich entscheidenden Hochschulgremien, um eine auszureichende Interessensvertretung aller an
der Hochschule vertretenen Gruppen zu gewährleisten.

Bologna-Reform verbessern

Die GRÜNE JUGEND NRW steht prinzipiell zu den Zielen der Bologna-Reform. Wir begrüßen die Internationalisierung der Hochschullandschaft, die zunehmende Vergleichbarkeit von Studiengängen sowie die stärkere Einbeziehung der Studierenden in die Lehre. Die Umsetzung von Bachelor und Master in NRW weist jedoch noch erheblichen Nachholbedarf auf. Statt einfach nur die Studienzeit auf bis zu sechs Semester zu verkürzen, müssen auch sinnvolle Reduzierungen im Stoff durchgeführt werden. Ansonsten verschärfen sich Leistungsdruck und Versagensängste. Wir fordern mehr Raum für Praktika und Auslandsaufenthalte. Außerdem müssen Wahlmöglichkeiten und Selbstständigkeit im Studium erhalten bleiben, um den wissenschaftlichen Anspruch weiterhin zu gewährleisten.
Durch die Schulzeitverkürzung von 13 auf 12 Jahre werden im Jahr 2013 zwei Jahrgänge gleichzeitig Abitur machen. Daraus resultiert eine doppelte Nachfrage nach Ausbildungs- und Studienplätzen, welche gerade die Hochschulen vor enorme Probleme stellt.

Soziales und gesellschaftliches Engagement während eines Bachelor-Studienganges sind fastunmöglich geworden. Das stellt eine Gefahr für unsere Demokratie dar. Studierende müssen auch während des Studiums die Zeit haben, sich in Verbänden, Vereinen und Parteien zu engagieren. Deshalb muss das Studium flexibler gestaltet werden. Auch die BaFöG-Regelungen müssen sich dieser neuen Flexibilität anpassen, das Studieren über die Regelstudienzeit hinaus muss möglich sein. Wir fordern den Ausbau der Master-Kapazitäten. JedeR Studierende muss die Möglichkeit bekommen, nach dem Bachelor noch einen Master-Studiengang zu belegen!

Frauen nach vorne!

Frauen sind an den Hochschulen in NRW immer noch unterrepräsentiert: Der Frauenanteil bei den ProfessorInnen liegt gerade einmal bei 14,7 Prozent, nur 6,5 Prozent der DekanInnen6 und 6,7 Prozent der RektorInnen in NRW sind weiblich. Wir fordern deshalb die gezielte Förderung von Frauen durch Einführung einer Frauenquote bei der Neubesetzung von ProfessorInnen- und DozentInnenstellen. Zudem müssen Berufungskommissionen für neue Professuren zur Hälfte mit Frauen besetzt sein. Einen Schwerpunkt wollen wir auf die Förderung des wissenschaftlichen weiblichen Nachwuchses legen. Im Jahr 2005 waren die Hälfte aller HochschulabsolventInnen Frauen. Der Frauenanteil unter den Promovierenden lag jedoch nur bei 38,0 Prozent und unter den Habilitierenden sogar nur bei 25,3 Prozent. Dies wollen wir ändern!

Studierende Eltern müssen unterstützt werden. Dazu bedarf es flexiblerer Studienpläne und des massiven Ausbaus von Kinderbetreuung an bzw. nahe der Hochschulen, insbesondere für unter Dreijährige.

Hochschulbau

Wir fordern einen Hochschulpakt zwischen Bund und Ländern, der seinen Namen verdient. Der Bund muss dabei wieder mit in die Verantwortung genommen werden Bestehende Hochschulen müssen ausgebaut, energetisch saniert und erneuert werden. Weitere Hochschulstandorte müssen erschlossen werden, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Das von der Landesregierung gefeierte 8 Milliarden-Programm war lediglich Symbolpolitik, die nur den Status Quo fortgeschrieben hat anstatt wirkliche Investitionen in Hochschulen voranzutreiben. Wie bei allen Großbauprojekten steht auch beim Hochschulbau die Standortwahl unter dem generellen Vorbehalt ökologischer Vertretbarkeit. Baumaßnahmen aus Studiengebühren lehnen wir kategorisch ab. Hochschulbau muss staatliche Aufgabe bleiben.

Für ein Recht auf gute Ausbildung

Fester Bestandteil eines gerechten Bildungssystems ist für uns der Rechtsanspruch auf einen Ausbildungsplatz. Jeder Mensch muss nach der Schule die Möglichkeit bekommen, eine hochqualitative, berufliche Ausbildung zu erhalten. Die Chancen junger Menschen auf dem Ausbildungsmarkt dürfen nicht länger von der Konjunktur abhängig sein. Jede und jeder soll die Möglichkeit bekommen, ihren/seinen Wunschberuf zu erlernen. Hierbei muss neben der Vermittlung theoretischer Grundlagen immer ein praktischer Bezug gegeben sein.

Wir schaffen Ausbildungsplätze!

Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise wird sich in den kommenden Jahren 2010 und 2011 massiv auf den Arbeits- und Ausbildungsmarkt auswirken. Unternehmen werden MitarbeiterInnen entlassen müssen und gerade in der Ausbildung sparen. Das ist für junge Menschen gleich doppelt fatal, denn zum einen wird das Angebot an Ausbildungsplätzen zurückgehen, zum anderen werden Ausgebildete nicht übernommen werden.
Durch Investitionen in nachhaltige Zukunftsbranchen, Bildung und Soziales, schaffen wir die Ausbildungsplätze, die dringend benötigt werden, sowohl von der Gesellschaft als auch für die Ausbildungssuchenden.

Ausbildungsfonds einführen

Bei allen politischen Anstrengungen sehen wir gerade die Unternehmen in der Pflicht, Ausbildungsplätze zu schaffen. Nur 25 Prozent der deutschen Unternehmen bilden aus. Ihre Pflicht erfüllen hierbei gerade die kleinen und mittleren Unternehmen, wohingegen sich die großen aus der Pflicht ziehen. Die 30 größten börsennotierten deutschen Aktiengesellschaften haben eine Ausbildungsquote von gerade einmal 6 Prozent. Das ist ein Skandal!
Unternehmen dürfen sich ihrer Verantwortung für die Schaffung von Ausbildungsplätzen nicht weiter entziehen. In der Vergangenheit haben wir gesehen, dass freiwillige Selbstverpflichtungen und Absprachen, wie z.B. der Ausbildungspakt, das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen. Wir fordern
deswegen die Einführung eines branchenübergreifenden Ausbildungsfonds. In diesen Fonds zahlen nicht-ausbildende Unternehmen ein, wohingegen ausbildende Unternehmen gefördert werden.
Hierdurch dürfen Übernahmeperspektiven nicht gefährdet werden. Durch diese Maßnahmen fördern Branchen ohne Ausbildungstradition, z.B. die neuen Dienstleistungsbranchen, ausbildungsintensive Branchen, wie z.B. das Handwerk. Bei diesem System muss berücksichtigt werden, dass es Unternehmen gibt, die nicht ausbilden können, weil beispielsweise in einem kleinen Unternehmen nicht genügend qualifiziertes Ausbildungspersonal vorhanden ist oder weil sich das Unternehmen in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation befindet.

Konjunktur und Ausbildung entkoppeln – Warteschleifen abschaffen

Bedingt durch den Aufschwung vor der Krise haben sich die Regierungen in Bund und Land nicht in der Pflicht gesehen, strukturelle Veränderung im angeblich so erfolgreichen deutschen Berufsbildungssystem anzugehen. Stattdessen wurden konjunkturell bedingte Anstiege der Ausbildungszahlen als politischer Erfolg verkauft. Eine politische Antwort auf die stets zunehmende Zahl der AltbewerberInnen und Jugendlichen, die in sinnlosen Warteschleifenprogrammen festsitzen, gibt es bisher jedoch nicht.
Wir setzen auf die Ergänzung der dualen Ausbildung durch außerbetriebliche Ausbildungsstätten. Diese qualifizieren die Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz auf dem Ausbildungsmarkt gefunden haben, und fördern durch regelmäßige Praxisphasen in Betrieben die Integration in ein betriebliches Ausbildungsverhältnis. Außerbetriebliche Ausbildungsstätten entbinden die Betriebe jedoch keineswegs von ihrer Pflicht Ausbildungsplätze anzubieten, weshalb sie aus dem Ausbildungsfonds finanziert werden sollen. Wir sehen in ihnen nur eine Ergänzung zur betrieblichen Ausbildung, keinen Ersatz. Durch Modularisierung der Ausbildung, also die Zerlegung in ein Baukastensystem, können Auszubildende in verschiedenen Betrieben ausgebildet werden oder während der Ausbildung individuelle Fördermodule durchlaufen, wenn diese nötig sind. Außerdem können so auch Unternehmen ausbilden, die aufgrund zu hoher Spezialisierung bisher nicht in der Lage waren, eine komplette Ausbildung anzubieten. Jedes Modul dauert zwischen einem halben und einem Jahr und wird mit einer Prüfung abgeschlossen, die Gesamtausbildung wird zur Wahrung der Vergleichbarkeit von Ausbildung mit einer Kammerprüfung beendet. Das Recht auf Ausbildung muss in diesem System konsequent durchgesetzt werden, indem allen Azubis die Module garantiert werden, die sie für eine
komplette Berufsausbildung benötigen. Dadurch können auch Ausbildungsabbrüche, die zum Beispiel auf personellen Unstimmigkeiten beruhen, verhindert werden. Um zu gewährleisten, dass alle angefangenen Ausbildungen auch beendet werden können, müssen die Auszubildenden von eineR MentorIn begleitet werden.
Sogenannte Warteschleifenprogramme, also Förderprogramme, die auf die Ausbildung vorbereiten sollen, wollen wir abschaffen. Diese Programme dienen vornehmlich der Schönigung von Statistik und haben Verwahrcharakter, da sie keinen qualifizierenden Abschluss nach sich ziehen. Wir wollen diese Programme in Ausbildungsmodule überführen. Die gezielte Förderung der Auszubildenden soll nicht mehr vor der Ausbildung, sondern währenddessen stattfinden.

Öffentliche Hand mit gutem Beispiel voran

Der öffentliche Dienst sowie staatliche Unternehmen müssen bei der Ausbildung mit gutem Beispiel vorangehen. Deshalb sollen öffentliche Verwaltungen über Bedarf ausbilden, wo ein Übergang in der Privatwirtschaft möglich ist, um möglichst vielen Jugendlichen einen qualifizierenden Abschluss und
somit eine bessere Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu bieten.

Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit – auch in der Ausbildung!

Die DGB Jugend hat in ihrem Ausbildungsreport 2009 belegt, wie stark junge Frauen bereits in der Ausbildung diskriminiert werden: Auszubildende in weiblich dominierten Berufen werden zu fast 22 Prozent schlechter vergütet als in Ausbildungsberufen, in denen überwiegend Männer arbeiten. Auch
in Bezug auf Überstundenausgleich und die Zahl der Urlaubstage werden Frauen stark benachteiligt. Wir brauchen dringend eine Gesamtstrategie angefangen bei geschlechtergerechtem Unterricht bis hin zu einer massiven Ausweitung individueller Berufswegeberatung in den Schulen. Berufe, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, müssen gerecht entlohnt werden, und das bereits in der Ausbildung!

Gleiche Chancen

Wir leben in einer vielfältigen Gesellschaft, diese muss sich aber auch bei den Auszubildenden widerspiegeln. Deshalb fordern wir eine Quote bei der Ausbildungsplatzvergabe für Jugendliche mit Migrationshintergrund, die ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung widerspiegelt. Auch Jugendliche mit einer körperlichen und geistigen Beeinträchtigung haben das Recht auf eine Berufsausbildung. Deshalb fordern wir als GRÜNE JUGEND NRW eine Quote bei der Ausbildungsplatzvergabe und in Unternehmen.

Mindestvergütung auch für Azubis

Genau wie bei ArbeitnehmerInnen fordern wir auch für Auszubildende eine gesetzliche, branchenübergreifende Mindestvergütung von 600 Euro monatlich, denn Ausbildung muss sich lohnen! Außerdem fordern wir ein elternunabhängiges Bafög für Auszubildende, welches die Ausbildungsvergütung aufstockt und den Auszubildenden somit ein selbstbestimmtes Leben unabhängig von ihren Eltern ermöglicht.

Qualität gewährleisten

Bei aller Notwendigkeit, Ausbildungsplätze zu schaffen, darf die Qualität der Ausbildung nicht unter die Räder kommen. Deshalb fordern wir, dass die AusbilderInneneignung nur nach einer qualifizierenden Prüfung der AusbilderInnen vergeben wird. Außerdem müssen die Kammern die Qualität der Ausbildung stärker überprüfen. Es kann nicht sein, dass Auszubildende als billige Arbeitskräfte für alles missbraucht werden und viel mehr Stunden ableisten als sie eigentlich müssten.

Praktika

Berufsorientierende Praktika wie das Schulpraktikum geben Einblicke in das Berufsleben und können zur späteren Berufsorientierung beitragen. Diese sind aber nur sinnvoll, wenn Einblicke in das Berufsleben geboten und verschiedene Aufgaben übernommen werden können. Bei berufsvorbereitenden Praktika muss sichergestellt werden, dass Gelerntes praktisch angewandt wird und berufsorientierend ist. Praktika als Einstellungsvoraussetzung lehnen wir ebenso wie die Ausnutzung von PraktikantInnen als ”billige Arbeitskräfte” strikt ab. Um dies zu gewährleisten fordern wir bei Praktika über einen längeren Zeitpunkt neben einer Mindestvergütung von 350 Euro monatlich mehr Rechte für PraktikantInnen.

Beschlussfassung der Landesmitgliederversammlung am 8.11.2009 in Dortmund.

Schwarz-Gelb abwählen – junge Ideen für ein gerechtes und ökologisches NRW!

Als GRÜNE JUGEND NRW wollen wir mit unseren Inhalten bei den Wählerinnen und Wählern für unsere jungen KandidatInnen und für eine starke grüne Landtagsfraktion werben. Mit den folgenden Forderungen zu den zentralen 10 Themen und den Beschlüssen der letzten Jahre werden wir in den Prozess der Erstellung des grünen Landtagswahlprogramms eintreten und uns für unsere Forderungen stark machen.

Wir werden den Strukturwandel in NRW durch die Verbindung von Ökologie und Ökonomie grün gestalten. Wichtig ist uns dabei aber auch der nicht profitorientierte Umweltschutz, denn Generationengerechtigkeit heißt auch das Recht auf eine unberührte Natur!

  • Mit uns soll NRW zum Spitzenreiter auf dem Markt der Umwelttechnologie werden!
  • Wir schaffen nicht nur in den bekannten Zukunftsbranchen neue Arbeit, sondern stoßen auch weitere Felder an, wie z.B. die Kultur- und Kreativwirtschaft.
  • Wir sorgen für Mobilität für alle Menschen. Von einer ÖPNV-Offensive gerade im ländlichen Raum profitieren insbesondere junge Menschen und Leute, die sich kein Auto leisten können.
  • Wir fordern die vollständige Umsetzung der europäischen Artenschutzrichtlinien in NRW!
  • Wir wollen echten Flächenschutz – gegen die fortschreitende Versiegelung der Böden!
  • Wir fordern, dass die Gewässer in NRW und die Tiere, die dort leben, geschützt werden.Wir wollen ein soziales NRW, das den Menschen in den Mittelpunkt rückt.
    • Wir wollen die vollständige Barrierefreiheit des öffentlichen Raumes und aller öffentlichen Gebäude,
    • wir wollen Aufklärung statt Kriminalisierung von Drogen und fordern die flächendeckende Aufstellung von „Spritzenautomaten“ sowie die Einrichtung von Fixerstuben in allen Großstädten und in der Nähe sonstiger Brennpunkte,
    • wir fordern Hilfsangebote für wohnungslose Menschen,
    • wir setzen uns für neue Wohnformen, wie das generationübergreifene Wohnen, ein. In Nordrhein-Westfalen hat etwa ein Viertel der Bevölkerung eine Zuwanderungsgeschichte.

    Wir wollen gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ermöglichen und die Situation von Flüchtlingen verbessern. Deshalb fordern wir:

    • Ein Landesintegrationsgesetz mit verbindlichen Vorgaben,
    • eine Bundesratsinitiative, die die Voraussetzungen im Grundgesetz für ein Wahlrecht für MigrantInnen schafft,
    • den flächendeckenden Ausbau der RAA (Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien),
    • eine Quote für Jugendliche mit Migrationshintergrund, die ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung widerspiegelt, bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen im öffentlichen Dienst,
    • die interkulturelle Öffnung des öffentlichen Dienstes sowie der Sozial- und Pflegeeinrichtungen!
    • Das Recht auf Krankenhilfe, Schulbesuch und Arbeitsschutz für Menschen ohne Aufenthaltspapiere,
    • keine Abschiebungen mehr durchzuführen, außerdem die Schließung der Abschiebeknäste in NRW und die Abschaffung von Flughafenverfahren am Düsseldorf Flughafen.

    Nach wie vor sind Frauen in vielen Lebensbereichen benachteiligt. Diese strukturelle Diskriminierung wollen wir aufbrechen! Wir fordern für mehr Gleichberechtigung:

    • Ein neues Landesgleichstellungsgesetz mit verbindlichen Vorgaben und Saktionsmöglichkeiten,
    • eine Strategie zur Ausweitung des Berufswahlverhalten von Mädchen und die Förderung von Frauen im Erwerbsleben,
    • die ausreichende Finanzierung der Mädchen- und Frauenhäuser sowie der Beratungsstellen,
    • die Instrumente des Gender Mainstreamings und Gender Budgetings als zentrale Maßnahmen auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen!

    Jedes Kind hat ein Recht auf einen guten Start! Deshalb wollen wir:

    • Eine Qualitätsoffensive in den Kitas,
    • das Recht auf kostenlose Kinderbetreuung für alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr und damit einhergend den flächendeckenden Ausbau von Kindertagesstätten,
    • kostenloses, ausgewogenes und biologisches Mittagessen in den Kitas,
    • frühzeitige Sprachförderung ohne Ex-und-Hopp-Testverfahren,
    • die Rücknahme des KiBiz (Kinderbildungsgesetz) – wir brauchen eine gerechte Aufteilung der Finanzierung zwischen Land und Kommunen!

    Eine echte Jugendpolitik, bei der nicht über, sondern mit uns gesprochen wird. Eine Jugendpolitik, die sich nicht an Defiziten orientiert, sondern die Chancen für mehr Jugendpartizipation begreift!

    • Wir setzen uns dafür ein, dass die Kürzungen bei der Kinder- und Jugendarbeit, die Rot-Grün im letzten gemeinsamen Haushalt zu verantworten hatte, endlich zurückgenommen werden.
    • Wir wollen die Förderung der Jugendarbeit vereinfachen, freien Gruppen den Zugang zu Fördermitteln erleichtern und Institutionen Planungssicherheit über einen längeren Zeitraum ermöglichen.
    • Wir schaffen Möglichkeiten zur politischen Beteiligung auf allen Ebenen. Dafür schreiben wir Jugendpartizipation in der Gemeindeordnung fest und entwickeln auf Landesebene Beteiligungsmöglichkeiten fernab des PR-Gags „Jugendlandtag“.
    • Wir wollen das Wahlalter bei Kommunal- und Landtagswahlen auf 14 Jahre senken!

    Unser derzeitiges Bildungssystem ist höchst selektiv und ungerecht. Wir wollen das Recht auf Bildung verwicklichen und treten ein für:

    • Eine Schule für alle ohne Selektion und Leistungsdruck!
    • Demokratische Institutionen. Deshalb fordern wir die Wiedereinführung der Drittelparität in Schulkonferenzen, die Abschaffung der Hochschulräte und die deutliche Stärkung der studentischen Repräsentation im Senat,
    • ein Studium ohne Gebühren – weder während des Studiums noch danach, nicht für ein Studium in der Regelstudienzeit und nicht fürs Langzeitstudium,
    • ein Recht auf Ausbildung! Sicherheit geht nicht ohne Freiheit. Zu den BürgerInnenrechten gehört für uns auch mehr demokratische Mitbestimmung. Wir fordern:
    • Die vollständige Einstellung der Videoüberwachung öffentlicher Plätze. • Mehr direkte Demokratie durch Volksentscheide,
    • die Einführung des Kumulierens und Panaschierens,
    • politische Bildung als fester Bestandteil des Schulunterrichts. Wir wollen ein tolerantes und faires Klima in unserer Gesellschaft, das rechtsextremen Tendenzen den Nährboden entzieht.
    • Wir wollen ein Landesprogramm schaffen, das die verschiedenen Projekte und Initiativen vor Ort finanziell unterstützt,
    • Demokratieerziehung und demokratische Teilhabe in der Schule zu einem Schwerpunkt machen sowie die Projekte „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ bzw. „Schule ohne Hompophobie – Schule der Vielfalt“ fördern,
    • eine erneute Prüfung eines Verbotsverfahrens gegen die NPD, wenn dafür alle Bedingungen erfüllt sind.

    Zugang zum Internet ist die zentrale Gerechtigkeitsfrage unserer Zeit, die Digitalisierung der Freiheit die gesellschaftliche Herausforderung. Wir wollen ein freies Netz für alle und fordern:

    • Die Geltung von Freiheitsrechten online wie offline,
    • Zugang zum Internet für alle Menschen, gleich welcher Generation oder Herkunft,
    • freies W-LAN in allen Städten und kostenlose stationäre Zugangsmöglichkeiten zum Internet,
    • ein Landesprogramm zur Förderung der internetbasierten politischen Beteiligung.

    Wir werden uns im kommenden Frühjahr sowohl in die grüne Pogramm- als auch die Strategiedebatte einbringen. Für uns ist klar: Inhalte entscheiden über eine mögliche Regierungsbeteiligung, aber wer Inhalte entscheiden lassen will, wie wir sie hier und in früheren Beschlüssen definiert haben, muss schon jetzt eine Zusammenarbeit der GRÜNEN mit CDU und FDP ausschließen. Denn zwischen den Grünen und den beiden Regierungsparteien CDU und FDP in NRW gibt es keine inhaltlichen Schnittmengen, weder in der Bildungs-, noch in der Energieoder Sozialpolitik. Schwarz-Gelb hält am selektiven Schulsystem fest, hat Studiengebühren eingeführt, soziale Hilfs- und Beratungseinrichtungen dicht gemacht und schließt den Bau neuer Atomkraftwerke auch hier in NRW nicht aus. Wir kämpfen für einen echten Politikwechsel in NRW hin zu einer sozialen und ökologischen Gesellschaft und für die Ablösung von Schwarz-Gelb – wir werden nicht die MehrheitsbeschafferInnen für CDU und FDP sein!

    Beschlussfassung der Landesmitgliederversammlung am 8.11.2009 in Dortmund.

Junge Grüne ins Parlament

Katja Dörner aus Bonn

katjadoerner

Liebe Leute,

ich bin Katja und kandidiere bei der Bundestagswahl für die Grünen in Bonn. Auch wenn Ihr es vielleicht nicht glaubt: Diese Bundestagswahl ist keine Wahl wie jede andere. Denn wir leben nicht in einer Zeit „wie jede andere“. Finanz- und Wirtschaftskrise, Klimakrise, Hungerkrise in vielen Teilen der Welt – diese Herausforderungen werden immer noch gegeneinander ausgespielt. Sie können aber nur zusammen in Angriff genommen werden. In nächster Zukunft muss es uns gelingen, unsere Art zu wirtschaften, zu arbeiten und zu konsumieren radikal zu ändern. Ich setze mich ein für einen Green New Deal, mit dem in den nächsten vier Jahren eine Million zukunftsfeste Arbeitsplätze geschaffen werden können. Dazu brauchen wir Investitionen in die erneuerbaren Energien, in Effizienz und Energieeinsparung. Was wir keinesfalls brauchen ist eine Renaissance der gefährlichen Atomkraft mit ihrer ungeklärten Endlagerfrage. Und wir brauchen auch keine „Abwrackprämie“, die nicht zuletzt den Kauf klimaschädlicher Spritschlucker fördert. Als Bildungspolitikerin sind gleiche Chancen für alle Kinder – unabhängig von ihrer Herkunft und dem Geldbeutel ihrer Eltern – mein Ziel. Auch hier müssen noch dicke Bretter gebohrt werden: der Rechtsanspruch auf eine ganztägigen Kindertagesbetreuung schon für Kinder ab einem Jahr, das längere gemeinsame Lernen aller Kinder und die Abschaffung der Studiengebühren sind überfällig.
Aus der Krise hilft nur Grün – geht wählen am 27. September und macht Euer Kreuz an der richtigen Stelle!

Wiederholungstäter Rüttgers

Pressemitteilung zu rassistischen Äußerungen des Ministerpräsidenten

Zu den rassistischen Äußerungen des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers erklärt Eike Block, Sprecher der GRÜNEN JUGEND NRW:
„Die rassistischen Beleidigungen des Jürgen Rüttgers sind mehr als eine politische Entgleisung im Wahlkampf. Denn Rassismus ist in der CDU auch weiterhin salonfähig. Der selbsternannte Arbeiterführer und Möchtegern-Landesvater versucht ganz bewusst am rechten Rand zu fischen.

Jegliche Entschuldigungen seitens der Landesregierung sind allein dem Versuch geschuldet, den Schaden für die CDU zu begrenzen. Doch Rüttgers ist nach der Kampagne „Kinder statt Inder“ im Jahr 2000 bereits Wiederholungstäter.

Weder ist die CDU in der Lage, sich von Rechts abzugrenzen, noch erweckt Rüttgers den Anschein als wolle er daran etwas ändern.“

Einfach was bewegen!

Grundsätze junggrüner Kommunalpolitik in NRW beschlossen

Ob es um das Jugendzentrum in der Nachbarschaft, das lokale Bündnis gegen Rechts oder den Zebrastreifen am Hauptbahnhof geht – Kommunalpolitik ist wesentlich, denn sie nimmt direkten Einfluss auf unser Lebensumfeld und die konkrete Situation der Menschen vor Ort. Die Kommune ist mehr als eine Verwaltungseinheit, sie ist Lebensmittelpunkt vieler Menschen. Alle müssen die Möglichkeit bekommen, am kommunalen, politischen und sozialen Leben teilzuhaben. Deshalb darf sich Kommunalpolitik nicht hinter verschlossenen Rathaustüren abspielen. Sie muss transparent sein und die Interessen aller berücksichtigen.

Wenn wir die Welt verändern wollen, dann müssen wir vor unserer Haustür damit anfangen. Nach dem Motto „think global – act local“, wollen wir auch auf kleinster politischer Ebene unsere Vorstellungen von einer (basis-)demokratischen, sozialen und ökologisch gerechten Gesellschaft durchsetzen. Wir wollen zeigen, dass jede und jeder etwas verändern kann und dass Erfolge nicht jahrelang auf sich warten lassen müssen. Mit unserem Motto einfach was bewegen wollen wir vor allem junge Menschen ermuntern, aktiv am kommunalen Leben teilzunehmen.

Viele Mitglieder der GRÜNEN JUGEND NRW engagieren sich bereits heute vor Ort, sind in lokalen Bündnissen und Initiativen eingebunden oder kandidieren sogar für die Stadträte, Kreistage und Bezirksvertretungen. Wir unterstützen unsere AktivistInnen und jungen KandidatInnen und setzen uns dafür ein, dass die Kommunen in NRW zukünftig noch jünger und grüner werden!

Gegen Rechts – Nazis müssen draußen bleiben!

Rechtsextreme Gruppierungen stellen sich gegen die kulturelle Vielfalt, die unsere Gesellschaft auszeichnet. Bereits jetzt verfügen die organisierten RassistInnen der NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands), DVU (Deutsche Volksunion), REP (Republikaner) und „Pro NRW“ über Mandate in den kommunalen Parlamenten und verstärken nach eigenen Angaben ihre Aktivitäten, um die Räte und Kreistage zur Plattform ihres antidemokratischen und rassistischen Kampfes zu machen. Diesen Bestrebungen müssen wir uns vehement entgegenstellen und uns für unsere durch Vielfalt auszeichnende Gesellschaft aktiv einsetzen. Die GRÜNE JUGEND NRW setzt auf lokale Bündnisse gegen Rechts als Zusammenschluss der demokratischen Organisationen, Parteien, Verbände und BürgerInnen.

Aufklärung tut Not. Beratungsstellen, die sozialpädagogische und psychologische Hilfe für Eltern rechtsextremer Jugendlicher anbieten, müssen ausgebaut werden. Wir fordern jede Kommune auf, lokale Aktionspläne gegen Rechts (Für Vielfalt, Toleranz & Demokratie) zu erarbeiten und die lokalen PartnerInnen mit ausreichenden Mitteln auszustatten. Die MitarbeiterInnen der Jugendämter müssen, im Hinblick auf die Dynamik in der rechtsextremen Szene, verstärkt geschult werden. Die Kommunen sollen als Trägerinnen gemeinsam mit den Schulen demokratische und antifaschistische Profilbildung betreiben. Gemeinsam mit den SchülerInnen muss das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus gestaltet und demokratisches Engagement gefördert werden.

Die oftmals auftretende Spaltung zwischen sog. bürgerlichen und antifaschistischen Gruppen gilt es zu überwinden, denn wir müssen gemeinsam gegen Rechts auf dem Grundsatz der Gewaltfreiheit handeln.

Letztlich liegt es in der Hand der WählerInnen, die Nazis nicht in die kommunalen Vertretungen zu wählen. Strittige Themen dürfen nicht von den RechtsextremistInnen instrumentalisiert werden, sondern die demokratischen Kräfte müssen die Ängste der BürgerInnen aufnehmen und die Probleme gemeinsam mit ihnen lösen.

Jugendangebote ausbauen – Freiräume schaffen!

Viele Städte haben in den letzten Jahren unter enormem Kostendruck den Fehler begangen, in der Kinder- und Jugendförderung stark zu kürzen. Jugendzentren wurden geschlossen, Angebote zurückgefahren. Dieser Trend muss aufhören, denn Jugendarbeit ist alles andere als Luxus. Die GRÜNE JUGEND NRW streitet nicht nur für den Erhalt der heutigen Förderung der offenen Kinder- und Jugendarbeit, sondern für deren Ausbau. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist die Sanierung der vorhandenen Kinder- und Jugendeinrichtungen, die sich teils in einem kaum noch nutzbaren baulichen Zustand befinden. Außerdem müssen die Kommunen endlich Initiativen zur Neugründung selbstverwalteter Zentren unterstützen und Blockadehaltungen abbauen.

Wir wissen aber auch: Die Bedingungen haben sich verändert. Deshalb sind auch die Grundsätze der Förderung heutigen Bedingungen anzupassen. Wir wollen nicht mehr nur Verbände finanzieren, nicht mehr nur organisierten Kindern und Jugendlichen Zugang zu Fördermitteln geben, sondern auch und besonders selbstorganisierte Projekte und eigenes Engagement unterstützen. Hier sehen wir großes Potenzial für Innovation.

Autonome und selbstverwaltete Jugendzentren stellen für uns eine wichtige Säule der städtischen Jugendkultur dar. Es gilt hier, diese Zentren zu erhalten und zu unterstützen, ohne ihnen die Freiheit der Selbstorganisation zu nehmen.

Die GRÜNE JUGEND NRW findet: Die Stadt ist für alle da! In zu vielen Städten aber werden Kinder und Jugendliche systematisch aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Diesem Trend stellen wir uns mit großer Kraft entgegen, denn er ist vor allem in den Profitinteressen und der zunehmenden Kommerzialisierung der Innenstädte begründet. Viele Städte versuchen zudem gezielt, junge Menschen der alternativen Szene aus Bereichen der Öffentlichkeit zu verdrängen, um diese Bereiche „aufzuwerten“. Die meisten Kinder und Jugendlichen sind eben nicht die zahlungskräftige Kundschaft, die sich viele erwarten.. Gerade unter den Bedingungen des demographischen Wandels gehören junge Leute ins Stadtbild, welche ausreichend innerstädtische Plätze für ihre Freizeitgestaltung benötigen.

Jugendschutz darf nicht zur Jugendgängelung werden. In vielen Städten nimmt der vermeintliche Schutz junger Menschen abstruse Formen an. Diese reichen von willkürlichem Einziehen der Ausweise bis hin zu präventiven Platzverweisen bei Großveranstaltungen. Wir halten dagegen und setzen uns für Selbstbestimmung ein!

Kulturelle Vielfalt anerkennen und stärken!

Ein gleichberechtigtes Miteinander von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund ist wesentliches Ziel grüner Kommunalpolitik. Wir wollen die Teilhabe und Mitbestimmung von MigrantInnen in Politik, Verwaltung und Gesellschaft stärken. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert die Kommunen auf, Integrationskonzepte zu entwickeln mit dem Ziel, dass wirksame Angebote zur Integration von Zugewanderten entstehen. Die Erstellung und Weiterentwicklung dieser Konzeptionen erfordert die Stelle einer/eines Integrationsbeauftragten.

Der öffentliche Dienst braucht dringend Konzepte zur interkulturellen Öffnung, damit zukünftig mehr MigrantInnen in der Verwaltung, in der Polizei oder im Schuldienst zu finden sind. Dabei muss es auch für Kommunen in der Haushaltssicherung1 Wege geben dieses umzusetzen. Daneben spielt auch die interkulturelle Öffnung von kommunalen Sozialeinrichtungen gegenüber den Bedürfnissen von Menschen mit Migrationshintergrund eine große Rolle.

Sprache und Bildung sind die Schlüssel zu Integration und Teilhabe. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert einen Rechtsanspruch auf flächendeckende, kostenfreie, geschlechts- und altersspezifische Angebote von Sprach- und Integrationskursen. Zudem fordern wir die Kommunen auf, sich für Angebote zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund einzusetzen. Die RAA (Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien) hat genau dies zu ihrer Aufgabe gemacht und wirkt in den drei Bereichen Elementarerziehung, Schule und beim Übergang von der Schule in den Beruf. Die RAA gibt es inzwischen an 27 Orten in NRW und muss weiter ausgebaut werden.

In vielen Städten und Gemeinden NRWs bestehen bereits Ausländer- bzw. Integrationsbeiräte. Zu kritisieren ist aber die derzeitige Form, denn die Integrationsbeiräte haben lediglich eine beratende Funktion, können de facto aber nichts entscheiden. Als GRÜNE JUGEND NRW treten wir für ein Wahlrecht von Nicht-EU-BürgerInnen ein. Bis dieses jedoch eingeführt ist, sind Integrationsbeiräte die beste Möglichkeit die Interessen von Zugewanderten ohne EU-Staatsangehörigkeit zu berücksichtigen.

Die GRÜNE JUGEND NRW setzt sich vor Ort dafür ein, dass Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus der Zugang zu Bildung und zu einer kostenlosen Gesundheitsversorgung gewährleistet wird. Die Kommunen sind dazu aufgerufen, die zahlreichen Flüchtlingshilfen und -initiativen vor Ort zu unterstützten. Gutscheinverfahren müssen überall abgeschafft werden. Ebenso sind Sonderunterbringungsformen von Flüchtlingen weder zeitgemäß noch notwendig. Wir fordern eine menschenwürdige Unterbringung!

Religiöse Vielfalt sichtbar machen!

Die Existenz vieler verschiedener Religionen ist in allen Städten Nordrhein-Westfalens mittlerweile Realität. Als GRÜNE JUGEND NRW stehen wir für eine tolerante, pluralistische und weltoffene Stadt im religiösen Bereich. Den Ausbau von weiteren Gotteshäusern – neben den christlichen Kirchen – befürworten wir ausdrücklich, da sie nicht nur die Möglichkeit der Religionsausübung garantieren, sondern auch Raum für religiösen Dialog und kulturellen Austausch bieten. Hierfür muss darauf geachtet werden, dass die betreffenden Gemeinden die Menschenrechte und unsere Verfassung anerkennen.

Insbesondere muslimische Gotteshäuser sind im Stadtbild unterrepräsentiert, sodass die Menschen auf so genannte „Hinterhofmoscheen“ ausweichen müssen. Es wird auch eine wichtige Glaubensgemeinschaft aus der Öffentlichkeit herausgehalten. Hier besteht dringender Handlungsbedarf! Der Bau von Moscheen wird in der Bevölkerung manchmal mit Skepsis und auch Ablehnung begleitet, was rechtspopulistische Gruppierungen häufig für ihre Zwecke instrumentalisieren wollen. Es ist wichtig, dass Ängste und Unwissenheit durch Gespräche mit VertreterInnen der Politik und der jeweiligen Gemeinde mit den BürgerInnen wahrgenommen und überwunden werden. Nur so lässt sich eine breite Zustimmung für religiöse Vielfalt langfristig etablieren.

Frauen nach vorne!

Frauen- und Geschlechterpolitik sind Querschnittsthemen, die wir als GRÜNE JUGEND NRW in allen Themenbereichen mitdenken. Wir setzen uns für die Umsetzung der Chancengleichheit in sämtlichen Vorhaben der Verwaltung ein (Gender Mainstreaming). Darüber hinaus fordern wir, dass die kommunalen Haushalte mit dem Analyseinstrument „Gender Budgeting“ auf ihre Auswirkungen auf die Geschlechter geprüft werden. Ziel ist eine geschlechtergerechte Verteilung aller Ausgaben. Die städtischen Gleichstellungsbeauftragten müssen gestärkt und in alle Vorhaben der Verwaltung zum Thema Genderpolitik einbezogen werden. Damit Frauen zukünftig auch in Führungspositionen der Verwaltung stärker vertreten sind, sollen Mentoringprogramme für weibliche Nachwuchskräfte weiter ausgebaut werden.

Die Jobagenturen müssen verstärkt Maßnahmen für die Qualifizierung und Fortbildung von Frauen anbieten. Außerdem sollen Einrichtungen der Wirtschaftsförderung insbesondere Frauen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit unterstützen. Bei allen Maßnahmen der Wirtschaftsförderung sind familienfreundliche Betriebe zu fördern. Es sollen Best-Practice-Beispiele für die Frauenförderung im Betrieb öffentlich vorgestellt und in die Unternehmensberatungen miteinbezogen werden. Für junge Frauen müssen Maßnahmen zur Ausweitung des Berufswahlspektrums für den Übergang von Schule zu Beruf verbessert werden.

Durchschnittlich jede vierte Frau wird in ihrem Leben Opfer von häuslicher Gewalt. Die Kommunen stehen als Trägerinnen und Unterstützerinnen von Frauenprojekten oder Schutzeinrichtungen für Frauen in der Verantwortung. In diesem Zusammenhang setzt sich die GRÜNE JUGEND NRW für eine dauerhafte finanzielle Absicherung der Frauenhäuser ein. Um den Frauenhausbewohnerinnen und ihren Kindern eine Rückkehr in den Alltag zu ermöglichen, fordern wir die Bereitstellung von (Sozial-)Wohnungen oder die bevorzugte Vermittlung von bezahlbarem Wohnraum.

Partizipation fördern – Demokratie stärken!

Damit Demokratie in den Kommunen sichtbarer und fühlbarer wird, fordern wir mehr direkte Beteiligung für BürgerInnen bei politischen Entscheidungen! Die GRÜNE JUGEND NRW spricht sich für die Einführung von so genannten BürgerInnenhaushalten aus. Einerseits sorgen diese für mehr Transparenz, was die Nutzung der finanziellen Mittel der Kommunen angeht, andererseits bekommen die BürgerInnen die Möglichkeit über Investitionen mitzubestimmen. Voraussetzung ist, dass die Verwaltung den Haushalt so aufbereitet, dass er allen EinwohnerInnen der Stadt verständlich ist. Bürgerentscheide bzw. Bürgerbegehren sind bedeutende Instrumente der direkten Demokratie auf kommunaler Ebene. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert, dass die Anzahl der benötigten Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesenkt und die Sammelfristen verlängert werden, um den BürgerInnen mehr politisches Mitbestimmungsrecht zu ermöglichen.

Bürgerentscheide sind neben Wahlen das zweite Standbein der Demokratie in den Städten und Gemeinden. Wir fordern die Kommunen auf, ihre Satzungen zu Bürgerentscheiden bzw. Bürgerbegehren so zu ändern, dass sie direktdemokratischer und transparenter sind. Die Stadt Köln ist ein positives Beispiel, dort wird vor Bürgerentscheiden ein Wahlheft ausgegeben, welches die zur Abstimmung stehenden Positionen erläutert. Die Bürgerentscheide sollten mit Wahlen zusammengelegt werden. Wenn dies aufgrund der Dringlichkeit nicht möglich ist, müssen genügend Wahllokale geöffnet sein, um eine hohe Beteiligung sicherzustellen.

Oft verlaufen BürgerInnenversammlungen lediglich als reine Informationsveranstaltung der Kommunalverwaltung an die EinwohnerInnen ab. Wir wünschen uns direktere Beteiligungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten für die Betroffenen im Rahmen eines BürgerInnenforums bzw. EinwohnerInnenforums, z.B. bei einem Schulbau mit den betroffenen SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern.

Die Beschwerdeausschüsse2 der Kommunen sind eine weitere Möglichkeit der BürgerInnenbeteiligung. Aufgrund der fehlenden öffentlichen Wahrnehmung bleiben diese Partizipationsmöglichkeiten jedoch oft ungenutzt. Deshalb fordern wir eine Anlaufstelle für Antragsstellende und eine stärkere Information der BürgerInnen über ihre Mitgestaltungsmöglichkeiten. Interessenvertretungen, wie z.B. Kinder- und Jugendparlamente, BezirksschülerInnenvertretungen und Stadtelternschaften3 müssen in Zukunft stärker in die bestehenden kommunalen Strukturen eingebunden werden. Deshalb wollen wir diese Interessenvertretungen mit festen Plätzen in den kommunalen Kinder- und Jugendausschüssen bzw. Jugendhilfeausschüssen und Schulausschüssen verankern. Dazu gehört auch die Betreuung von PädagogInnen, die den aktiven Kindern und Jugendlichen bei der Vor- und Nachbereitung von Ausschusssitzungen als AnsprechpartnerInnen zur Verfügung stehen.

Um jungen KommunalpolitikerInnen die Arbeit zu erleichtern, fordern wir die Verwaltungen auf, Sitzungen in Zeiten zu legen, zu denen auch SchülerInnen, Auszubildende, Studierende und PraktikantInnen teilnehmen können. Hier sind auch unsere Grünen Fraktionen vor Ort gefordert, ihre Fraktionssitzungen so zu gestalten, dass eine Teilnahme von jungen MandatsträgerInnen möglich ist.

Kultur und Kunst für alle!

Die GRÜNE JUGEND NRW setzt sich für die Sicherung und den Ausbau von kulturellen und künstlerischen Projekten in den Kommunen ein. Kunst und Kultur sollen sich frei entwickeln können. Wir wollen kulturelle Aktivitäten und künstlerische Betätigung für alle Menschen ermöglichen. Dazu gehört die Erhaltung und Förderung öffentlicher Institutionen und Kultureinrichtungen, wie Museen und Theater, aber auch Musikschulen, frei zugänglicher Ateliers und anderer Freiräume für Kultur und Kunst. Diese Orte dürfen nicht zum Privileg einiger wohlbetuchter Feingeister werden, sondern müssen allen Gesellschaftsgruppen zugänglich sein. Investitionen in diese Freiräume zählen zu den wichtigsten Investitionen in eine freie, demokratische und friedliche Gesellschaft und sind für den Wandel in die Wissensgesellschaft unabdingbar. Kunst und Kultur zu erhalten, ist Aufgabe des Staates.

Ebenfalls unabdingbar ist die Förderung der freien Kulturszene. Damit nicht der Staat neue Entwicklungen der Kultur vorgibt, muss freien Trägern das Schaffen von neuem ermöglicht werden. Zudem sollten freie sowie öffentliche Kulturschaffende und TrägerInnen nicht konkurrieren, sondern vermehrt zusammenarbeiten und voneinander profitieren.

Wir wollen Freiräume schaffen, in welchen der Aufenthalt unabhängig vom Konsum möglich ist. Gerade Projekte für Kinder und Jugendliche, die erste Berührung mit Kultur ermöglichen, müssen gefördert werden. Zudem müssen intensiv die Möglichkeiten durch Subventionen und städtebauliche Maßnahmen genutzt werden, um Gebäude der kulturellen Infrastruktur zu sanieren oder bisher leer stehende Gelände umzufunktionieren. Besonders „neue Formen“ wie Street-Art, virtuelle Ausstellungen und die Einbindung neuer Medien in „alte“ Einrichtungen, fordern auch neue Wege der Kulturförderung.

Immer öfter gibt es auch vor Ort so genannte Public Private Partnerships (PPP), also Sponsoring durch Firmen, die gemeinsam mit der öffentlichen Hand Kunst und Kultur fördern. Besonders in NRW engagieren sich viele Unternehmen für kulturelle Veranstaltungen und Projekte. Die GRÜNE JUGEND NRW sieht diese Entwicklung kritisch. Für jedes dieser Projekte sollte der Grundsatz gelten, dass Kulturförderung öffentliche Aufgabe ist und nicht von Unternehmen abhängig sein soll. Gerade die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise könnten auch dazu führen, dass viele Projekte nicht mehr zu Stande kommen. Kunst und Kultur zu erhalten und zu wahren, ist Aufgabe des Staates. Gleichzeitig muss der Staat die Rahmenbedingungen sicherstellen, dass Kulturschaffende, also Künstlerinnen und Künstler, unabhängig Kunst und Kultur entwickeln und weiterentwickeln können.

Für soziale Gerechtigkeit in der Kommune!

Als GRÜNE JUGEND NRW setzen wir uns für eine sozial gerechte und solidarische Gesellschaft ein, in der jedeR ihre/seine sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Rechte wahrnehmen kann. Die GRÜNE JUGEND NRW steht dafür ein, dass die Kommunen in der Sozialpolitik nicht nur dort aktiv sind, wo sie durch Gesetze dazu gezwungen sind. Soziale Verantwortung setzt nicht erst bei Pflichtleistungen an – Sozialpolitik in der Kommune muss freiwillige Leistungen umfassen, welche auch im Haushaltssicherungskonzept nicht gekürzt werden dürfen.

Die GRÜNE JUGEND NRW streitet für eine Kommune der sozialen Netzwerke. Die soziale Infrastruktur, zu der unter anderem Frauenhäuser, Familienberatungsstellen, Flüchtlingsinitiativen, Obdachlosenheime, Drogenberatungsstellen und -schutzräume, Beratungsstellen und Treffpunkte für LGBTQ4, Jugend- oder interkulturelle Zentren gehören, muss erhalten bleiben und noch weiter ausgebaut werden. Diese Einrichtungen leisten einen wertvollen Beitrag zur sozialen Integration und stärken das soziale Zusammenleben. Leider hat auch hier die schwarz-gelbe Landesregierung Kürzungen vorgenommen, gegen die sich die GRÜNE JUGEND NRW entschieden zur Wehr setzt.

Die GRÜNE JUGEND NRW fordert die barrierefreie Kommune. Sämtliche öffentliche Einrichtungen müssen für Menschen mit Behinderung problemlos zugänglich sein.

Der demographische Wandel und die Herausbildung einer zunehmend älteren Bevölkerung stellen die Kommunen vor neue Herausforderungen. Die GRÜNE JUGEND NRW setzt sich für den Ausbau von generationenübergreifenden Projekten ein, in denen jüngere und ältere Menschen zusammenkommen. Projekte wie LesepatInnenschaften (in Hannover) oder auch Mehrgenerationenhäuser dienen uns als Vorbilder. Diese Begegnungsräume müssen auch in NRW ausgebaut werden!

Das Leben innerhalb der Kommune muss kinderfreundlich gestaltet sein. Hierzu zählt der Ausbau von Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche sowie eine qualitative Verbesserung des Betreuungsangebotes.

Die Jugendarbeitslosigkeit in NRW ist erschreckend. Betroffen sind fast 85.000 junge Menschen. Hier liegt es in der Aufgabe der Kommunen jungen Menschen Perspektiven aufzuzeigen und konkrete Beschäftigungsangebote für Jugendliche zu schaffen. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert eine stärkere Zusammenarbeit der Arbeitsagenturen und städtischen Ämtern (Jugend-, Sozial-, Schul- und Gesundheitsamt) mit lokalen Initiativen und einen Ausbau von Modellprojekten wie „Die Chance“ in Köln-Chorweiler, eine lokale Beratungsstelle für arbeitslose Jugendliche unter 25.

Auch in der momentan schwierigen finanziellen Situation müssen die Kommunen und städtische Unternehmen selbst ausreichend Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Dabei fordern wir eine Quote für Jugendliche mit Migrationshintergrund, die ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung widerspiegelt.

Bildung vor Ort!

Das heutige Bildungssystem ist sozial ungerecht, denn es benachteiligt Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen und bildungsfernen Familien sowie Kinder mit Migrationshintergrund. Bildung ist aber eine Grundlage für eine umfassende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die GRÜNE JUGEND NRW will das Bildungssystem grundsätzlich verändern, um Chancengleichheit herzustellen und Kinder optimal individuell fördern zu können. Dafür wollen wir auch die – wenn auch geringen – kommunalen Handlungsmöglichkeiten nutzen.

Kindertagesstätten sind die grundlegende und elementarste Stufe unseres Bildungssystems und somit mehr als nur Betreuungseinrichtungen. Sie sind Orte des spielenden Lernens und der Persönlichkeitsentfaltung. Diese müssen massiv ausgebaut werden und brauchen einen umfassenden Bildungsauftrag! Außerdem müssen sie mit mehr staatlich anerkannten ErzieherInnen ausgestattet werden. ErzieherInnen müssen entsprechend der Anforderungen höher entlohnt werden. Außerdem sollen männliche Erzieher verstärkt gefördert werden, weil es in Kitas und Offenen Ganztagsschulen an männlichen Bezugspersonen mangelt. Die GRÜNE JUGEND NRW befürwortet zudem den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab dem 1. Lebensjahr und fordert die Abschaffung der Kita-Beiträge!

Die GRÜNE JUGEND NRW setzt sich für den gemeinsamen Unterricht von SchülerInnen mit und ohne Behinderungen ein. In Grundschulen sollen weitere Integrationsklassen eingerichtet werden, die ihre Fortsetzung in der Sekundarstufe I finden müssen. Wir wollen erreichen, dass sich die Anzahl der Plätze für behinderte Kinder in Regelschulen bis 2014 verdoppelt. Entscheidend für das Gelingen der Integration ist, dass an den jeweiligen Schulen dem Förderbedarf der Kinder mit Behinderung voll entsprochen wird.

Zudem müssen den Kommunen mehr finanzielle Mittel im Bildungsbereich zur Verfügung gestellt werden, um kostenlose Mahlzeiten für alle SchülerInnen und entsprechende Gebäudevorkehrungen zu ermöglichen oder Betreuungs- und Förderungsangebote in den Pausen zu gewähren. Angesichts der Einführung des Ganztagsunterrichts an Gymnasien und des 12-jährigen Abiturs scheint dies nur notwendig und konsequent.

Eine „Schule für alle“ muss insbesondere auch sozial schwächere Familien finanziell entlasten. Lehrmaterialien und Schulbücher müssen darum für alle Kinder kostenfrei erhältlich sein. Ein flächendeckendes Bücher-Ausleihsysteme, wie das im Saarland beispielsweise existiert, sollte auch in NRW eingeführt werden.

Unser langfristiges Ziel ist es eine Gemeinschaftsschule für alle SchülerInnen zu schaffen! Deshalb treten wir als GRÜNE JUGEND NRW dafür ein, dass die Kommunen auf Kooperation von Schulen und die Gründung von Gesamtschulen an Schulzentren eintreten. Auch Modellversuche des Landes könnten uns unserem Ziel, eine Schule für alle zu schaffen näher bringen.

Nachhaltige Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik!

Kommunen haben zu Recht wirtschaftspolitischen Gestaltungsanspruch. Gerade im Kontext der Weltwirtschaftskrise gehen die wichtigsten Impulse nicht von den übergeordneten Ebenen aus, sondern werden vor Ort, in den Städten und Gemeinden gesetzt. Kommunale Investitionsprogramme sind jedoch nur eine Seite. Genauso wichtig – und hier liegt der wirtschaftspolitische Fehler aller anderen Parteien – ist es, eine weitsichtige Ansiedlungspolitik zu verfolgen.

Eine nachhaltige Lösung der wirtschaftlichen Probleme in NRW kann nur entstehen, wenn die örtlichen Potenziale optimal genutzt werden. Ein zentrales Potenzial bergen die vielen Hochschulen. An Selbstständigkeit interessierte HochschulabsolventInnen müssen beim Schritt von der Hochschule in die Selbstständigkeit unterstützt werden. Hierfür ist es erforderlich, dass Kommunen und Hochschulen zusammenarbeiten und z.B. in Technologiezentren Kapazitäten für derlei Ausgründungen zur Verfügung stellen.

Wir fordern einen gesetzlichen Mindestlohn, deshalb treten wir dafür ein, dass kommunale Aufträge nur an Firmen vergeben werden, die ihren Angestellten einen Mindestlohn zahlen. Auch die Anzahl der vorhandenen Ausbildungsplätze muss für uns ein Kriterium der Vergabe für Öffentliche Aufträge sein.

Die Arbeitsmarktreformen, besonders „Hartz IV“, haben die Kommunen vor große Herausforderungen gestellt. Die gemeinsame Arbeitsverwaltung von Kommunen und Bundesagentur hat sich als nicht praktikabel erwiesen. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert, Kommunen mehr Spielräume bei der Arbeitsmarktpolitik vor Ort zu lassen. Städte und Gemeinden kennen ihre örtlichen Probleme am besten. Es ist unabdingbar, dass kleinere lokale TrägerInnen von Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen in größerem Umfang als bisher in Lösungskonzepte einbezogen werden. Außerdem müssen „Ein-Euro-Jobs“ schnell durch sozialversicherungspflichtige Stellen ersetzt werden, um staatlich subventionierte Ausbeutung zu unterbinden. Schon lange fordert die GRÜNE JUGEND die Abschaffung der Wehrpflicht und damit den Wegfall des Zivildienstes; hier könnten viele sinnvolle und angemessen bezahlte Jobs im Sozialbereich geschaffen werden.

Arbeitslosenzentren sind wichtige Anlaufstellen für Menschen ohne Erwerbsarbeit. Es ist ein Skandal, dass die Landesregierung die Förderung dieser wichtigen Einrichtungen gestrichen hat. Wir setzen uns dafür ein, dass unabhängige und offene Beratungsstellen weiterhin für alle Erwerbslosen zur Verfügung stehen.

100% erneuerbare Energien in der Kommune!

„Think global – act local“, ein viel beschworenes Motto, dass es kommunal umzusetzen gilt. Denn um unsere Klimaziele zu erreichen, braucht es ein entschiedenes Handeln vor Ort!

Die Kommune muss im Kampf für 100% erneuerbare Energien eine Vorbildfunktion einnehmen. Öffentliche Gebäude müssen energetisch saniert werden, zum Beispiel durch Wärmedämmung und Sanierung veralteter Heizungsanlagen, und durch Ökostrom versorgt werden. Städtische Dachflächen sollen für Solaranlagen genutzt und der Einsatz von Blockheizkraftwerken vorangetrieben werden. So können die Kommunen einen Großteil ihres Energiebedarfs durch Eigenproduktion decken und zu einer dezentralen Versorgungsstruktur beitragen.“

Als GRÜNE JUGEND NRW fordern wir eine Abkehr von den oligopolistischen5 Strukturen des Energiemarktes und setzen uns für eine zunehmende AnbieterInnenvielfalt auf dem Energiemarkt ein. Dazu gehört, dass die Stadtwerke in kommunalem Besitz verbleiben. Es sollte zudem geprüft werden, ob bereits verkaufte Stadtwerke zu tragbaren Konditionen rekommunalisiert werden können. Eine Kommune, die im Vollbesitz ihres Energieversorgers ist, hat diverse Vorteile wie, bsp. ökologische Steuerung des Unternehmens (100% Erneuerbar). Wenn wir dezentrale Energieversorgung wollen, geht dies nur durch dezentrale VersorgerInnen wie die lokalen Stadtwerke. Jedoch ist eine Rekommunalisierung nicht immer sinnvoll und muss daher von Ort zu Ort differenziert entschieden werden. Denn es rechnet sich mitunter betriebswirtschaftlich nicht oder das Unternehmen ist zu klein, um sich am Energiemarkt behaupten zu können.

Vor rund 20 Jahren haben viele Kommunen in NRW so genannte Konzessionsverträge abgeschlossen, die eine enge vertragliche Verflechtung mit RWE vorsehen. In ihnen sind eine Beteiligung des Energieriesen an den kommunalen EnergieversorgerInnen und ein Versorgungsrecht festgeschrieben. Viele dieser Verträge laufen in den nächsten Jahren aus und dürfen unter keinen Umständen verlängert werden!

Des Weiteren sollte ein Schwerpunkt auf der Nutzung von lokal vorhandenen und ökologischen erneuerbaren Ressourcen, wie z.B. Biomasse auf Basis von lokal anfallenden Grünabfällen, nicht aber auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion, liegen, die zurzeit größtenteils noch ignoriert und deren Potenziale weit unterschätzt werden. Als Orientierungspunkt können hierfür bestehende „Bioenergiedörfer“ in ganz Deutschland und Österreich wie in Jühnde und Güssing, dienen, die sich zum Ziel gesetzt haben, ihre Strom- und Wärmeversorgung eigenständig zu produzieren.

Zu den Aufgaben einer Kommune gehört es auch, genügend Beratungs- und Anlaufstellen zu schaffen, um gerade Haus- und WohnungseigentümerInnen aber auch HandwerkerInnen über die Vorteile von Wärmedämmung der Wände und Dreifach-Wärmeschutzverglasungen der Fenster aufzuklären. Unser Ziel ist es, möglichst viele Häuser zu Passivhäusern zu sanieren, denn diese benötigen bis zu 90% weniger Heizenergie als konventionelle Gebäude. Hierzu sollten regionale Programme die Umrüstung fördern und Neubauten gleich den Passivhaus-Standards angepasst werden. Auch städtische Neubauten dürfen davon nicht ausgenommen werden, die kommunale Stadtplanung muss mit gutem Beispiel voran gehen.

Die GRÜNE JUGEND NRW spricht sich für den massiven Ausbau des kommunal gestützten Contracting-Modell aus. Dabei übernimmt eine kommunale Einrichtung die Finanzierung der ökologischen Gebäudesanierung oder Errichtung eigener Versorgungsstrukturen (Solarzellen, Blockheizkraftwerke usw.). Mit dem dadurch eingesparten Geld bezahlen die entsprechenden BürgerInnen die Schulden ab und profitieren so später von ihren Investitionen.

Eine gute und sinnvoll strukturierte Strom- und Wärmevorsorgung ist ein wichtiger Baustein auf unserem Weg zu 100% Erneuerbaren, der entschieden beschritten werden muss. Hier wird deutlich: Klimaschutz beginnt vor der eigenen Haustür!

Mobilität fördern – neue Wege gehen!

Mobilität gehört zum selbstbestimmten Leben in einer Stadt dazu. Doch gerade im ländlichen Raum lässt das Verkehrsnetz noch stark zu wünschen übrig. Unser Ziel ist es, die Attraktivität des Nahverkehrsnetzes durch eine Verdichtung der Busverbindungen und eine bessere Vernetzung zwischen dem Nah- und Fernverkehr, insbesondere nachts, zu steigern. Vor allem für Jugendliche ist ein dichtes Nahverkehrsnetz von großer Bedeutung, da es Teilhabemöglichkeiten schafft und gerade die ländlichen Städte wieder zu einem attraktiven Wohngebiet macht. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, vor allem in ländlichen Gegenden, ist ein Schritt hin zu mehr Partizipation am öffentlichen Leben. Um auch die Mobilität im ländlichen Raum sicherzustellen, schlagen wir die Nutzung von subventionierten und ökologischen Sammeltaxen vor.

Die Nutzung des ÖPNV ist die ökologische Alternative zum Auto. Innenstädte sollen Lebensraum für alle sein. Deshalb sind Umweltzonen eine gute Möglichkeit, um saubere Städte zu schaffen. Um die Mobilität und die Erreichbarkeit der Innenstädte trotzdem weiter zu gewährleisten, halten wir„Park-and-Ride-Stationen“ für sinnvoll, die direkt an ein funktionierendes Nahverkehrsnetz angeschlossen sind. Um die Zahl der Autos und die Kosten für die BürgerInnen zu senken, fordern wir den Ausbau und Förderung von Carsharing-Angeboten und Mitfahrzentralen. Obwohl sich in den letzten Jahren viel getan hat, stoßen FahrradfahrerInnen im Stadtverkehr immer noch an ihre Grenzen. Vielerorts fehlen an stark befahrenen Straßen gesonderte Radwege. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert als mittelfristiges Ziel, jede Straße für den Radverkehr zugänglich zu machen sowie Sicherheit und möglichst kurze Strecken zu gewährleisten.

Auch FußgängerInnen sind häufig benachteiligt. Deshalb fordern wir den Ausbau von Bürgersteigen, Zebrastreifen, autofreien und verkehrsberuhigten Zonen und Spielstraßen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass auch die Nutzung mit Rollstühlen und breiten Kinderwagen möglich ist. Notfalls müssen Autoparkplätze dafür weichen! Vor allem im Sinne der Entschleunigung als wichtiger Aspekt städtischer Lebensqualität setzt sich die GRÜNE JUGEND NRW für Fußgängerzonen ein.

Ein Argument gegen ein verdichtetes Nahverkehrsnetz ist häufig ein finanzielles: Es rechne sich einfach nicht, mehr Verbindungen einzusetzen, da zu wenige BürgerInnen Bus und Bahn nutzen würden. Wir sind davon überzeugt, dass durch verkehrsberuhigte Innenstädte und ein besseres Angebot die Nutzung des Nahverkehrs steigen und sich ein besserer Service rechnen wird Um die Kosten zu senken und das Angebot zu verbessern, müssen die kommunalen Verkehrsbetriebe kooperieren. Außerdem müssen ein umfängliches Fahrgastinformationssystem geschaffen und komplizierte Tarifregelungen vereinfacht werden.

Unser Ziel ist es, dass SchülerInnen, Studierende, Auszubildende und PraktikantInnen sowie AsylbewerberInnen und Geduldete den Nahverkehr kostenlos nutzen dürfen und auch für einkommensschwächere BürgerInnen durch ein „Sozialticket“ eine erschwingliche Mobilität gewährleistet werden kann. Langfristig treten wir für einen kostenlosen ÖPNV für alle BürgerInnen ein. Um den öffentlichen Nahverkehr zu stärken, attraktiver zu machen und die Belastung der Städte durch Autoverkehr zu verringern, müssen auch neue Wege der Finanzierung und der Verteilung der Mittel gefunden und eingeschlagen werden. Die GRÜNE JUGEND NRW setzt sich für Modelle ein, bei denen der motorisierte Individualverkehr in den Städten mit Abgaben belegt wird, um damit den ÖPNV oder Umweltschutzmaßnahmen zu finanzieren. Wir wollen für die Akzeptanz solcher Modelle werben.

Ökologische und nachhaltige Stadtplanung!

Leider müssen in vielen Kommunen Grünflächen und Biotope, die für viele Tier- und Pflanzenarten lebensnotwendig sind, Bürogebäuden und Großprojekten weichen – ökologische Aspekte werden dabei meist vernachlässigt. Häufig wird auf Kosten einer dezentralen Versorgung ein großes Einkaufszentrum auf der „grünen Wiese“ geschaffen, während viele Innenstädte zu Gunsten solcher Zentren aussterben. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert vernünftige stadtplanerische Konzepte, die wohnortnahe Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs sicherstellen. Ähnlich sieht es bei der Planung von „Leuchtturmprojekten“ in anderen Bereichen aus: Wie bei der Schaffung von Freizeitmöglichkeiten, Gesundheitsdiensten, Bildungs- oder Kultureinrichtungen.

Auch hier muss ein langfristig bindendes und ökologisches Konzept der kurzfristigen Realisierung von Projekten weichen. Die Planung von Wohnraum wird oft inflationär betrieben. Auf der einen Seite gibt es große Leerstände an nicht so attraktiven Standorten und/oder Wohnbebauungen, die größtenteils der Verwitterung überlassen werden, da sich viele Kommunen nicht einmal den Abriss leisten können oder wollen, während auf der anderen Seite immer mehr neue Baugebiete als Wohngebiete ausgewiesen werden. Der Gentrifizierung ganzer Stadtteile muss durch eine kluge Stadtentwicklungspolitik entgegengewirkt werden, um allen eine gleichwertige Lebens- und Wohnqualität zu gewährleisten und einer Stigmatisierung entgegenzuwirken. Wenn möglich sollen die städtischen Räume nach dem Shared Space Prinzip gestaltet und umdeklariert werden, damit die Dominanz des motorisierten Individualverkehrs gebrochen und die Rücksichtnahme aufeinander verbessert werden und die BürgerInnen ihren Lebensraum zurückerobern können.

Tierschutz kommunal stärken

Auch sollten auf kommunaler Ebene die Möglichkeiten ausgenutzt werden, bessere Tierschutzmaßnahmen durchzusetzen. So lässt sich beispielsweise über einen Platzüberlassungsvertrag einer Kommune ein Wildtierhaltungsverbot für Zirkusse festlegen. Ebenfalls sollten Möglichkeiten der Ausgestaltung von Zoos genutzt werden, Gehegegröße und -ausgestaltung möglichst artgerecht zu gestalten.

Die finanzstarke Kommune!

Ein starkes NRW kann es nur mit starken Kommunen geben. Wenn die vielfältigen Vorschläge für eine moderne, junge, grüne Kommunalpolitik umgesetzt werden sollen, müssen Bund und Land den finanziellen Raubzug gegen die Kommunen beenden.

Die Landesregierung hat versucht den Haushalt auf Kosten der Kommunen zu sanieren. Während das Land sich eines erhöhten fiskalischen Handlungsspielraumes erfreut, befinden sich gerade die strukturschwachen Kommunen in einer überschuldeten Haushaltslage. Deshalb fordert die GRÜNE JUGEND NRW eine Entschuldung der Kommunen mittels erhöhter Zuweisung aus Steuereinnahmen.

Den Kommunen in Haushaltssicherung muss mittels Änderung der Gemeindeordnung die Möglichkeit gegeben werden, auch sogenannte freiwillige Leistungen weiterhin durchführen zu können. Generell müssen bei Nothaushalten und Sparmaßnahmen die Auswirkungen auf die zukünftigen Generationen berücksichtigt werden, so darf z.B. im Kinder- und Jugendbereich sowie im Schulbereich nicht gespart werden.

Die Leittragenden von erzwungener Haushaltskonsolidierung durch die Aufsichtsbehörden sind oftmals die Kultur-, Sozial-, und Jugendpolitik. Es ist untragbar, dass die jetzige Haushaltssicherung bis zu einer Entmachtung der demokratisch legitimierten Gremien führen kann. Immer wenn der Bund Aufgaben an die Kommunen weiter gibt, muss er auch entsprechende Mittel zur Verfügung stellen.

Die angedachten Maßnahmen der Landesregierung, die wirtschaftliche Betätigung der Kommunen zu beschneiden, sind vollends kontraproduktiv. Sie zeigen, wie neoliberale Politik die Gemeinden ruiniert und sie zur Handlungsunfähigkeit drängt. Damit verbunden, spricht sich die GRÜNE JUGEND NRW für Sparkassen in kommunaler Hand aus.

Kommunen in der EU

Mittlerweile wirken etwa zwei Drittel der Gesetze und Vorschriften europäischen Ursprungs auf die kommunale Ebene ein. Die meisten Gesetze werden von dieser Ebene umgesetzt. Es gibt Ängste vor einer Aushöhlung des kommunalen Selbstverwaltungsrechts durch die EU. Die GRÜNE JUGEND NRW begrüßt daher, dass ein Recht auf kommunale Selbstverwaltung in dem Reformvertrag von Lissabon enthalten ist. Die Idee des Subsidiaritätsprinzips (Probleme werden auf der möglichst tiefsten Ebene bearbeitet) schafft Dezentralisierung und BürgerInnennähe und ist somit ein wesentlicher Baustein für den Schutz der kommunalen Rechte in der Zukunft. Diese Ebene sollte nicht zu einer reinen Umsetzungsebene verkommen, sondern ihren Gestaltungsspielraum bewahren!

Die wachsende Betroffenheit der Kommunen durch Einschränkung ihrer Selbstverwaltung förderte deren Engagement auf europäischer Ebene. Grenzenübergreifende Interessennetzwerke zwischen Städten wurden ins Leben gerufen. Wir befürworten diese Entwicklung! Ziel dieser Anstrengungen sollte weiterhin sein, kommunale Interessen auf der europäischen Ebene zu vertreten, kommunale Rechte zu schützen und mit Hilfe der EU-Förderpolitik kommunale Projekte zu finanzieren. Für die EU-Förderung von unabhängigen Projekten muss es eine lokale Beratungsstelle geben.

Das einzige offizielle Gremium ist der Ausschuss der Regionen (AdR). Obwohl in ihm VertreterInnen der kommunalen Ebenen Platz finden können, kommen die deutschen VertreterInnen fast nur von der Länderebene. Die GRÜNE JUGEND NRW fordert mehr kommunale Mitglieder im AdR und weitergehende Einbeziehung in den Entscheidungsprozess. Möglichkeiten einer guten europäischen Zusammenarbeit zeigen sich z.B. durch die gemeinsame Organisation in grenzübergreifenden Gebieten, so genannte Euregios. Um Europa den BürgerInnen näher zu bringen, sollten EU geförderte Projekte und Gebäude wesentlich sichtbarer gemacht werden.

Die Zukunft der Kommunen in NRW ist jung und grün! Mach auch du mit, damit unsere Vorstellungen von einer „grünen Kommune“ Wirklichkeit werden – Partizipation und Vielfalt, Nachhaltigkeit und Soziales sind unsere Leitlinien!