Schauen wir uns in den Innenstädten um oder auf dem Land. Es fällt zwar nicht
sofort auf, aber doch es ist allgegenwärtig. Mobilität und Planung von Städten
und Dörfern ist auf die Bedürfnisse von sogenannten traditionellen Familien mit
dem Cis-Mann als Alleinverdiener zugeschnitten.Andere Lebensmodelle kommen in
der Stadtplanung oftmals nicht vor. Im Fokus der Verkehrsplanung stand lang und
steht in großen Teilen immernoch die Bewältigung von Pendler*innenströmen zum
und vom Arbeitsplatz des 40-Stunden Jobs der Berufstätigen. Dazu gehören riesige
Straßen mit mehreren Spuren, Ampelschaltung, die nur auf den motorisierten
Individualverkehr ausgerichtet ist, und wenige Querverbindungen innerhalb der
Stadt oder des Dorfes.

 

Zustande kommt das, weil die Planungen geprägt sind von einem kapitalistischen,
cis-männlichen und weißen Blick. Die Verkehrsplanung und die Städteplanung wird
in den allermeisten Fällen von Cis-Männern geprägt. Schauen wir uns das
Gesamtbild an: wie Autobahnen oder der Fernverkehr geplant wird, sieht nicht
besser aus. Deutschland hatte noch nie eine Verkehrsministerin. Das jetzige
Verkehrsministerium wird geleitet von Andi Scheuer und vier
Staatssekretär*innen, gerade mal eine davon ist eine FINTA* Person
(Frauen/inter/nichtbinäre/trans/agender* Person).

 

Doch wie können wir diese Logik aufbrechen? Eine Stadtplanung ausgerichtet auf
die Bedürfnisse aller, insbesondere auf marginalisierte Gruppen, wie FINTA*
Personen oder queere Personen ist nötig. FINTA* Personen tragen einen größeren
Anteil an Care-Arbeit, wie Einkaufen oder Kindererziehung. Es braucht Städte mit
kurzen Wegen und ausreichend Querverbindungen. Wenn diese nicht vorhanden sind,
bedeutet das deutlich mehr Aufwand, umsteigen und mehr zeitliche Kapazitäten,
die nicht für Freizeit oder Lohnarbeit genutzt werden können. In einer Stadt der
kurzen Wege wird Verkehr reduziert, Ressourcen und Anwohner*innen geschont, das
Wohlbefinden der Bewohner*innen gesteigert und Care-Arbeit erleichtert.
 Doch
gerade Cis-Männer, die oftmals nur den Weg zur Lohnarbeit zurücklegen müssen,
besitzen ein Auto – im Schnitt deutlich mehr als FINTA* Personen. Letztere sind
somit häufiger abhängig von Alternativen zum motorisierten Individualverkehr.
Jene sollen durch eine Verbesserung des ÖPNV-Angebots und der Rad- und
Fußverkehrsinfrastruktur attraktiver werden. Wir fordern das Land und den Bund
auf eine auskömmliche Finanzierung der Kommunen sicher- und herzustellen, um
dies zu ermöglichen.

 

Fehlende Aufzüge, kaputte Rolltreppen oder enge Bürger*innensteige, mit dem
Kinderwagen oder Einkaufstaschen schwer zu bewältigen, stellen Hindernisse dar
und erschweren den Alltag. Hinzu kommen Barrieren in nahezu allen
Lebensbereichen, die für Menschen mit Behinderung das Leben deutlich erschweren.
Bauliche Barrieren müssen schnellstmöglich überwunden werden. Daher fordern wir
eine konsequente, schnellstmögliche Beseitigung dieser. Den Kommunen sollen
hierfür die benötigten Finanzmittel bereitsgestellt werden. Um den Mangel an
Planer*innen in kommunalen Verwaltungen nachhaltig zu bewältigen, sollen
Planungsberufe attraktiviert und eine Ausbildungsoffensive gestartet werden.
Damit die Planung queerfeministisch wird, muss die queerfeministische
Stadtplanung in der Ausbildung integriert sein und im Verlaufe des Berufslebens
durch Schulungsangebote erlernt werden können.
 Es braucht mehr
Ausbildungskapazitäten und eine Entfristung befristeteter Stellen im
öffentlichen Dienst!

 

Es gibt zahllose Situationen, in denen FINTA* Personen im Bereich des
öffentlichen Lebens diskriminiert werden. Die Stadt ist nicht auf ihre
Bedürfnisse zugeschnitten. Ein Bespiel sind öffentliche Toiletten, da Pissoirs
weniger Platz benötigen, werden diese von den Städten einfach in größere Anzahl
gebaut. Wir als GRÜNE JUGEND NRW sind ein queerfeministischer Verband, der für
eine inklusive Stadt für alle kämpft.

 

Lösungen gibt es durchaus, diese müssen von einem diversen Team von
Stadtplaner*innen umgesetzt werden. Dafür braucht es Menschen mit verschiedenen
Perspektiven, die aus der gesamten Gesellschaft kommen, nicht nur von weißen
Cis-Männern. Kurzfristig braucht es gut ausgeleuchtete, einsehbare Wege. Diese
Beleuchtung soll durch technische Lösungen ökologisch verträglich sein. Außerdem
braucht es Aufenthaltsflächen, breitere Gehwege und mehr Plätze zum
Zusammenkommen und Verweilen.

 

Eine zentrale Forderung ist die Stadt der kurzen Wege. Dabei ist es wichtig,
dass möglichst viel des täglichen Lebens nah an der Wohnung liegt und gut
erreichbar ist. Das beinhaltet wohnungsnahe Arbeitsplätze, gut zu erreichende
öffentliche Verkehrsmittel, Geschäfte, für den alltäglichen Bedarf und
Freizeitmöglichkeiten in der Nähe. Auch die Frage von Bildung und Ausbildung
muss in der baulichen Planung beachtet werden, eine gute Erreichbarkeit ist
zentral für eine queerfeministische Planung. Doch nicht nur die Umgebung, auch
die Wohnungen selbst müssen in verschiedenen Größen und zu akzeptablen Mieten
angeboten werden. In Fragen der Verkehrsinfrastruktur müssen neben gut
ausgebautem und gut erreichbarem ÖPNV, auch die Gehwege breit gebaut sein und
Radwege baulich getrennt sein. Zum Wohlbefinden aller ist kurzfristig auch Tempo
30 in der gesamten Stadt und langfristig autofreie Innenstädte bis hin zu
autofreien Städten das Ziel.

 

Zum alltäglichen Leben gehören auch Freizeit und Erholung. Während im ländlichen
Raum viel Natur zu finden ist, die aber oft nur schlecht mit dem ÖPNV erreichbar
ist, ist in der Stadt weniger Natur aber oftmals ein diverses Angebot an
kulturellen Veranstaltungen vorhanden. Das Ziel muss sein, dass sowohl auf der
Stadt als auch im ländlichen Raum Naherholungsgebiete in Form von Natur und
kulturelle Angebote erreichbar sind.

 

Eine Stadt- und Verkehrsplanung muss auf alle Menschen in unserer Gesellschaft
ausgerichtet sein, nicht nur auf wenige – gemeinsam fordern wir deswegen eine
queerfeministische Stadt- und Verkehrsplanung.